Berufe, die fürs ganze Leben passen | Kurier Dachau

Veröffentlicht am 26.03.2025 14:41

Berufe, die fürs ganze Leben passen

„Derzeit lernen rund 470 Schülerinnen und Schüler bei uns”, erklärt die Leiterin der Franziskus werk Akademie, Nicole Fichtmair, und ergänzt: „Unsere Schülerschaft ist bunt und vielfältig. Die jüngsten sind 17 Jahre alt, die Ältesten über 50. Die Schülerinnen und Schüler stammen aus ins gesamt 52 Nationen. Das Miteinander ist respektvoll und klappt sehr gut.” Die Aussage der Akademieleiterin passt gut zum Anblick der Lerngruppen, die in Sitzecken gemeinsam an Aufgaben arbeiten oder die sich in einer Pause einen Tee holen und sich mit anderen unterhalten. An der Franziskuswerk Akademie kann man verschiedene Ausbildungsgänge belegen. Die ein-jährigen Ausbildungen qualifizieren zur Hilfskraft: Zu Heilerziehungspflegehelfern, Pflegehelfern mit Schwerpunkt Altenpflege oder auch im neuen Heilerziehungspflegerischen Einführungsjahr (HEJ). Danach können die Schülerinnen und Schüler mit einer Ausbildung zur Fachkraft weiter machen. Aber auch der direkte Einstieg zur Fachkraft ist möglich – je nach Schulbildung und Vorkenntnissen. Auf Gut Häusern kann man Pflegefachkraft werden, Ergotherapeut, Heilerziehungspfleger (HEP) und – darauf aufbauend – auch Heilpädagoge. Die beruflichen Chancen nach dem Abschluss sind hervorragend, denn Fachkräfte im sozialen Bereich werden überall händeringend gesucht. „Man kann soziale Berufe auch immer der eigenen Lebensplanung anpassen”, weiß Akademieleiterin Nicole Fichtmair. Wer jung ist, arbeitet in Vollzeit, kann im Schichtdienst arbeiten und dadurch mehr Geld verdienen. Wer eine Familie gründet, arbeitet Teilzeit und vielleicht nicht mehr Schicht, später wird womöglich wieder eine Vollzeitstelle daraus. Auch die Menschen, mit denen man arbeitet, können sich dem eigenen Lebenslauf anpassen. Es gibt zahlreiche Einsatzmöglichkeiten und Tätigkeitsfelder. Dazu kommen attraktive Fort- und Weiterbildungschancen während des ganzen Berufslebens. Nicole Fichtmair, die seit 2012 an der Akademie unterrichtet, weiß, dass hier engagierte Lehrkräfte wirken, die alle auch die Praxis kennen. „Das Franziskuswerk ist als Arbeitsgeber sehr attraktiv”, erklärt sie voller Überzeugung. Da in Schönbrunn aber nicht genügend Praxisstellen für alle Schülerinnen und Schüler vorhanden sind, gibt es darüber hinaus andere Praxispartner.

Schule „total cool”

Louisa ist 21 Jahre alt und absolviert die Vollzeitausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Mittlerweile steht sie kurz vor ihrem Abschluss. Vor dieser Fachausbildung hat sie sich ein Jahr zur HEP-Helferin ausbilden lassen. „Ich bin mit 14 Jahren aus der Schule gekommen und habe dann eine Ausbildung zur Kinderpflegerin gemacht. Ich war an einer integrativen KiTa und habe da viel Erfahrung mit Menschen mit einer Beeinträchtigung gesammelt”, erzählt sie. „Ich wusste, dass ich in diesem Bereich bleiben will und habe mich dann für die Franziskuswerk Akademie entschieden.” Die Schule sei „total cool”, sagt Louisa und das Erlernte lasse sich sofort in der Praxis anwenden. Louisas Augen leuchten, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. Ihr bisher schönstes Erlebnis war, dass sie in der Offenen Behindertenarbeit einen Klienten zu einem Konzert begleiten konnte, was er allein nie geschafft hätte. „Der Klient durfte in der ersten Reihe sitzen und ich saß hinter ihm. Nach jedem Lied hat er sich zu mir umgedreht und gesagt: 'Das ist so wunderbar.' Und noch heute spricht er davon.” Menschen mehr Teilhabe zu ermöglichen, dafür brennt Louisa.

Man bekommt so viel zurück

Der Schülersprecher der angehenden Heilerziehungspfleger, Gregor, ist ebenfalls 21 Jahre alt. „Meine Berufung ist es, mit Menschen zusammenzuarbeiten und ihnen zu assistieren, dass sie möglichst selbstständig leben können”, sagt er. Er ist im 2. Lehrjahr der dreijährigen Ausbildung und arbeitet bereits bei einem anderen sozialen Träger im Wohnbereich. „Ich bekomme so viel zurück bei dieser Arbeit und kann nur andere junge Leute ermutigen, ein Praktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren oder Bundesfreiwilligendienst zu leisten. Dann lernen sie die Vielfalt sozialer Berufe kennen und entscheiden sich vielleicht für diesen Weg.” An der Franziskuswerk Akademie schätzt er unter anderem, dass die Lernenden gleich von Anfang an Kontakt zu anderen Ausbildungswegen haben. „Hier wird gelebt, was es heißt, einfach übergreifendes Helfernetzwerk zu gründen”, betont Gregor.

Was sagen angehende Ergotherapeutinnen?

„Nach eineinhalb Jahren Theorie können wir nun das Wissen in die Arbeit mit Klientinnen und Klienten transferieren. Wir sehen die Ergotherapie als einen Baustein in der wertvollen Zusammenarbeit mit allen anderen sozialen Berufen, die zum Ziel hat, Menschen dabei zu unterstützen, ihre persönlichen Aktivitäten im Alltag so auszuführen, dass sie selbst damit möglichst zufrieden sind. Uns liegt am Herzen, Klient:innen zu größtmöglicher Teilhabe und Selbstständigkeit zu motivieren und zu befähigen, damit sie ihr Leben aktiv gestalten können – nach dem Prinzip: was mir wichtig ist, tue ich auch selbst. Wir erlernen hier aktuelle Methoden, ganzheitliche Ansätze und Üben in alltagsnahen Situationen, was für uns diesen Beruf als Ergotherapeut: in einfach lebendig macht”, sind sich angehende Ergotherapeutinnen einig.

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