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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 21. October 2018 · 10:04 Uhr
 
 
 

»Mit einem großen Miteinander die Aussiedlung stemmen«

Neuer Weg für den TSV Dachau 1865/Stadt will Grundstücksspekulantionen unterbinden

Ein Bild mit Symbolwert? Sorgenvolle Blicke beim Thema Aussiedlung von OB Florian Hartmann (li) und Stadtrat und TSV 1865 Vorsitzendem Wolfgang Moll. (Foto: Bastian Brummer)

»Wie bereits verschiedentlich bekannt geworden ist, ist der Verein aktuell sehr in Sorge über die gegenwärtige Entwicklung seines Anliegens«, mit diesen Worten leitete Wolfgang Moll, Vorsitzender des TSV 1865 Dachau e.V. und parteiloser Stadtrat, seinen offenen Brief an Stadt und Presse ein. Das Anliegen, von dem er spricht, geht nicht zum ersten Mal durch die Medien. Dem Verein ginge es laut Moll um die Aufhebung eines momentanen Sanierungs- und Investitionsstaus. Seinen 18 Abteilungen und knapp 2.500 oft jugendlichen Mitgliedern wolle er zeitgemäße angemessene Sportstätten bieten. Derzeit unterhält der Verein zwei große Sportgelände an der Jahn-, sowie der Alten Römerstraße. Auf diese sei er angewiesen, wenngleich seit Jahren Bestrebungen in Richtung einer »Aussiedelung« auf die Fläche zwischen Theodor Heuss Strasse und Würm in Dachau Ost gehen.

Aus diesem Grund Grundstücke östlich der Theodor-Heuss Straße erworben werden, weshalb sich die Stadt Dachau 2014 erneut aktiv mit der Thematik der Aussiedelung befasste, erklärt Oberbürgermeister Florian Hartmann am letzten Donnerstagvormittag in einer Pressekonferenz zum Thema. Im Anschluss an zahlreiche Diskussionen und Vertragsverhandlungen mit Grundstückseigentümern änderte die Stadt bald ihre Vorgehensweise und kaufte zuletzt 2016 selbst Grundstücke an der Theodor-Heuss Straße, um diese dem Verein später zur Verfügung zu stellen.  Der Grundstückskauf durch die Stadt sei folglich ein übersichtlicherer Weg hin zur Aussiedelung. »Städtisches Interesse ist allein der Bau eines Sportgeländes«, fügt Hartmann an. Fehlmeldungen und journalistischer Übereifer aber scheinen Ursache der merklich an Fahrt gewinnenden Debatte. So wolle der Oberbürgermeister richtig stellen, dass die Stadt auf diesem Gelände nie etwas anderes als Sport- und Freizeitflächen plant, etwas anderes wird es nicht geben.

Das Klima wirkt angespannt und der Kauf weiterer Grundstücke hätte sich als schwierig dargestellt, nachdem Grundstückseigentümer Bedingungen für den Verkauf gestellt hatten. Der Stadtrat wird hier deutlich: »Es wird keine Verknüpfungsgeschäfte geben«. Die Stadt wolle aber nicht weiter an einem »veralteten Konstrukt« festhalten und in einem Flächennutzungsverfahren auch gemeinsam mit dem TSV 1865 das weitere Vorgehen klären. OB Hartmann sieht in den nächsten 15 Jahren nicht, dass der TSV auf eine große Fläche aussiedeln kann.

Auch Wolfgang Moll bleibt in seinen Ausführungen nüchtern und gefasst. »An eine baldige Realisierung des kompletten Projektes glauben wir nicht mehr«, so der Vereinsvorstand. Außer Frage stünde, dass die Jahnstrasse weiterhin die Adresse des TSV Dachau 1865 bleibt, die Jahnhalle im Laufe der nächsten Jahre erneuert werden muss und in den nächsten eineinhalb Jahren der Kunstrasenplatz an der Heuss-Strasse errichtet werden soll. In welcher Form die bereits gekauften 30.000 Quadratmeter von ursprünglich geplanten 140.000 Quadratmeter östlich der Theodor-Heuss Straße in das Projekt miteingebunden werden können, bliebe noch abzuwarten.

Auch in der Stadtplanung sollen die betreffenden Flächen noch im Laufe der nächsten Monate berücksichtigt werden. OB Hartmann möchte nicht nur für die Flächen östlich der Theodor Heuss Strasse einen Flächennutzungsplan aufstellen, sondern für die ganze Stadt aufstellen.

Moll zeigt sich am Ende der Pressekonferenz erleichtert, dass nun dieser Weg aufgezeigt werde. Fest steht nämlich, dass der Traditionsverein auf staatliche und städtische Mittel angewiesen ist, um weiterhin zeitgemäße sportliche Förderung zu gewährleisten. Und eines sei klar: Nur in einem großen Miteinander kann man das Projekt der Aussiedelung stemmen.