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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Monday, 15. October 2018 · 15:35 Uhr
 
 
 

Fischgrät mit Fries

Stefan Wirkners Lieblingsparkett

Teppich? Vinyl? Kork? Bambus? Holz? Auf meine Bitte hin, uns zur Vorbereitung seines aktuellen Berichts auf einer der aktuellen Baustellen zu treffen, wollte Stefan Wirkner wissen, ob ich mir was Bestimmtes vorgestellt habe. Falls nicht, würde er »Fischgrät mit Fries« vorschlagen. Dass er damit eine Parkettverlegung meinte, vermutete ich da bereits, weil mir dieses Muster was sagte. Aber Fries? Ein architektonisches Schmuckelement an Fassaden oder ein künstlerisches bei Wandgestaltungen? Schon hatte er mich: Parkett ist ein sehr schöner Bodenbelag, Fischgrät nicht alltäglich und das mit dem Fries hatte meine Neugier geweckt. Kurzum: Stefan Wirkner, der seit langem den von seinem Onkel Anton Berghammer 1959 gegründeten Fußboden-Fachbetrieb führt, nannte mir eine Adresse in Hilgertshausen, wo wir uns dann auch getroffen haben. Weit und breit war niemand zu sehen. Die Handwerker hätten Pause, erfuhr ich, der Bauherr sei verhindert, aber durchaus einverstanden mit meinem Baustellenbesuch. Also erst mal Schuhe aus am Eingang und rein. Stefan strumpfsockert, ich barfuß. Warum das nicht ganz unwichtig ist, darauf komme ich später noch. Denn mit mal kurz durchs Haus gehen, ein paar Fotos schießen und den Rückzug antreten – ein klarer Fall von denkste! Offenbar war es dem Dachauer Parkettlegermeister ein Bedürfnis, mir nicht nur einen schönen Bodenbelag zu zeigen, sondern auch ein Plädoyer für Qualität zu halten. Nein, nicht schulmäßig, wie Sie jetzt vielleicht vermuten könnten, ganz und gar nicht.  Viel mehr engagiert, begeistert und: locker vom Hocker. Dass Stefan persönlich auf Holzböden steht, gut, das wusste ich schon von früheren Baustellenbesuchen, ja. Aber, dass »Fischgrät mit Fries« offensichtlich sein Lieblingsparkett ist, tja das war mir neu. Sie hätten es sehen müssen, wie er mit den Händen über den Bodenbelag strich, mit den Fingern an Kanten entlang, behutsam, wie über ein filigranes Schmuckstück. Na ja, ein Schmuckstück ist dieses Eichenparkett ja tatsächlich. Und, zugegebenermaßen: erst recht durch den Fries aus gleichem Material, der quasi wie eine Bordüre wirkt, die die Parkettfläche einrahmt oder einfasst. Ein Schmankerl für die Augen – wobei dies erst mal genauestes Arbeiten und viel Vorarbeit voraussetzt: Nacharbeiten des Estrichs… millimetergenaues Zuschneiden von Parkett und Randabschlüssen… Verkleben des Zweischichtparketts, wegen der Fußbodenheizung… ständige Kontrolle der Raumfeuchtigkeit… Feinschliff nach dem Verkleben… Finishen des Bodens: hier Lackieren statt Ölen – daher der Glanz im Gegenlicht… Schön! Verblüfft aber hat mich dann was anderes: ein improvisierter »Fühl-Test« von geölter und lackierter Parkettoberfläche. Ist ein komplett anderes Erlebnis, wenn man mit der Hand darüber streicht oder darauf steht und geht, wie wir – Stefan Wirkner strumpfsockert, ich barfuß…