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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Thursday, 21. June 2018 · 00:33 Uhr
 
 
 

Dicke Luft und volles Haus

Großes Interesse am Info-Abend des BUND

Auch die stellvertretende Landrätin Marianne Klaffki und OB Florian Hartmann (vorne re) verfolgten die Info-Veranstaltung des BUND. (Foto: BUND Dachau)

Der Pfarrsaal von Heilig Kreuz war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Ein Bündnis aus BUND Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, Sachausschuss für Ökologie und Globale Verantwortung der Erzdiözese, BI Grünzug Dachau+Karlsfeld und andere hatte zu einem Informations- und Diskussionsabend mit dem Titel »Dicke Luft in Dachau-Ost!« eingeladen. Es ging einmal mehr um die großen Themen, die die Bevölkerung derzeit bewegen. Denn es gibt immer mehr Verkehr, Lärm, Schadstoffe, Flächenverbrauch, Gewerbegebiete, insbesondere in Dachau-Ost.

Der Abend begann mit einem aufrührenden Kurzfilm von Dieter Hentzschel, der diese Stichworte in Ton und Bild in Szene gesetzt hat. Nach einem Grußwort von Umweltreferentin Sabine Geißler führte der Direktor der Zoologischen Staatssammlung Prof. Gerhard Haszprunar zwei prägnante Vergleiche für Flächenversiegelung an. Ein begrünter Parkplatz mit Lochsteinen statt kompletter Teerdecke ist danach viermal ökologischer als ein Maisacker in der freien Flur. Und es ist es über 200 bis 800 mal billiger, Naturflächen zu bewahren, als sie nach einer Zerstörung erst mühsam wieder herzustellen.

Stadtrat Bernhard Sturm verdeutlichte, wie sich der starke Verkehr bei der Schadstoffbelastung mit Stickoxiden in Dachau niederschlägt. Flächendeckend ist die Belastung sehr hoch. Teilweise wird sogar der zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung gesetzte absolut geltende EU-Grenzwert von 40 μg/m³ Luft überschritten.

Ergänzend zeigte Gerhard Schlabschi von der Interessenvertretung der Anwohner Anton-Josef-Schuster-Straße (BI anwohnerfreundliche Entwicklung Dachau-Ost) auf, wie stark der Verkehr auf der Schleißheimer Straße durch die verschiedenen neuen Gewerbegebiete südlich Siemensstraße und altes Seeber-Gelände anwachsen wird. Es geht dabei um tausende zusätzlicher Pkw-Bewegungen. Er stellte in Frage, ob die als Ausgleich geplante Renaturierung der Würm auf diesem Areal in absehbarer Zeit kommen könne, wo doch die Fernsehserie »Dahoam is dahoam« so erfolgreich läuft und sicherlich nicht wegen der Umbaumaßnahmen abgesetzt wird.

Eine Lanze für intensive Nutzung bereits vorhandener Gewerbeflächen brach Stadtrat Thomas Kreß. Für ihn ist es noch nicht ausgemacht, dass östlich des Schwarzen Grabens tatsächlich eine Erweiterung von Gewerbeflächen kommt.

Das Thema Gewerbegebiete beherrschte denn auch die sehr intensive Diskussion, die von Peter Heller moderiert wurde. Oberbürgermeister Florian Hartmann antwortete dabei sehr klar, dass man nicht wisse, ab wann und wie lange welche Betriebe überhaupt Gewerbesteuern zahlten. Und selbst ein erfolgreicher Betrieb könne ein »Steuersparmodell« auflegen, so dass sich die Situation für die Stadt sehr schnell ändern könne.

Umrahmt wurde der Abend von Sigi Heigl und Geert Helberg, die pointierte G’stanzl zum besten gaben. Ihr Schluss lautete: »Und jetzt bitt‘ ma an Herrgott, dass er sakrisch drauf schaut, dass neamand und koaner uns den Grünzug verbaut!«