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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Friday, 21. January 2022 · 03:29 Uhr
 
 
 

Eine positive 100 Tage Bilanz

Polizeiinspektion beurteilt Einbahnregelung

Der Gegenverkehr in der Altstadt wurde ab Oktober 2021 abgeschafft, die Polizeiinspektion sieht Verbesserungen. (Foto: dek)

Da die Einbahnregelung in der Altstadt Dachau viel diskutiert wird, legt die Polizeiinspektion Dachau eine 100 Tage Bilanz vor. Bewertet werden Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs.

Falschfahrer

Die Einführung der Einbahnregelung wurde durch die PI Dachau überwacht. Die Anzahl der Falschfahrer nahm nach kurzer Zeit deutlich ab, so dass mittlerweile nur noch vereinzelt Verstöße festgestellt werden.

Schwerverkehr

Bis zur Einführung der Einbahnstraße wurde der Lkw Verkehr bereits von der Konrad-Adenauer-Straße in Richtung Augsburger Straße in eine Richtung geleitet. Diese Regelung wurde jedoch mehrfach missachtet, so dass es im Bereich der oberen Altstadt immer wieder zu Stauungen kam, da sich der Schwerverkehr zum Teil nicht an die Regelung gehalten hat. Zwei Lkw im Gegenverkehr führten zu Problemen, da der Verkehrsfluss massiv durch die Rangiermanöver beeinträchtigt wurde und nicht abfließen konnte. Mit der Einbahnregelung hat sich dieses Problem erledigt, da die Verkehrsführung für den Schwerverkehr verdeutlicht wurde.

Lieferverkehr

Behinderungen durch den Lieferverkehr konnten deutlich reduziert werden. Bislang führten liefernde Lkw oft zu Stauungen. Die Situation ist für die Anliefernden und die Belieferten deutlich entspannter als vorher. So können Lieferfahrzeuge umfahren werden, ohne dass es hierdurch zu nennenswerten Stauungen kommt.

Durchgangsverkehr

Der Durchgangsverkehr aus Seite der Augsburger Straße über den Karlsberg zur Münchner Straße ist nicht mehr existent. Dies führt zu einer deutlichen Verkehrs- und Lärmreduzierung im Altstadtbereich.

Schulwegsicherheit

Mit der Einführung der Einbahnregelung wurde die Gefahrenstelle am Zollhäuschen/ Karlsberg entschärft. Schulkinder queren hier und trafen all morgendlich auf den zügig fahrenden Durchgangsverkehr, welcher die Altstadt als Abkürzung sah. Die seit Jahren bestehende Regelung des Rechtsabbiege Verbots von 6 bis 8 Uhr wurde zum Teil nicht beachtet. Diese Fahrverbindung ist durch die Einbahnregelung nicht mehr möglich und somit der Gefahrenpunkt entschärft. Aber auch alle anderen Querungen der Fahrbahn und an Einmündungen sind, durch den Wegfall des morgendlichen Durchgangsverkehrs mit einer Vielzahl an Fahrzeugbewegungen, für die Schulkinder deutlich gefahrenreduzierter.

Radverkehr

Der Radverkehr ist von der Einbahnregelung ausgenommen. Vor der Einbahnregelung kam es im Gegenverkehr häufig zu Konflikten, wodurch sich Verkehrsunfälle ereigneten. Durch Begegnungsverkehr war der vorhandene Verkehrsraum stark belastet - nun wurde mit dem Einrichtungsverkehr dem Radverkehr mehr Platz eingeräumt. Bis auf die Busse die von der Einbahnregelung ausgenommen sind, konnte diese Gefahrenquelle entschärft werden. Dem Radverkehr und der Sicherheit auf dem Rad kommt die Einbahnregelung somit zu Gute.

Parksituation

Auch beim Ein- und Ausparken hat sich die Situation verbessert. Der Parkende kann sich auf den Parkvorgang besser konzentrieren, da er in der Regel nur auf einen Verkehrsstrom achten muss. Das oft angesprochene Problem mit Parkplatzmangel lässt sich damit lösen, dass die vorhandenen Parkplatz-Ressourcen im Altstadtbereich besser genutzt werden müssen. Es gibt drei größere Parkplatzangebote im Altstadtbereich. Das sind der Schlossparkplatz, das Parkhaus in der Wieningerstraße und das Parkhaus bei der Volksbank - dieses ist auch über die Augsburgerstraße erreichbar.

Fußgänger

Durch Einführung der Einbahnregelung wurde das Überqueren der Fahrbahn für Fußgänger deutlich erleichtert. Bis auf den Bus und den Radverkehr, ist beim Überqueren der Fahrbahn nur noch mit einem Verkehrsstrom aus einer Richtung zu rechnen. Die Sicherheit der Fußgänger, insbesondere der Schulkinder und Senioren, wurde dadurch deutlich erhöht.

Die Unfallzahlen

Die Einbahnregelung wurde in der Altstadt am 1. Oktober 2021 eingeführt.

Im Bereich der Einbahnstraße (Konrad-Adenauer-Straße und Augsburger Straße) sind in der VU Statistik folgende Unfallzahlen registriert:

- 2019: 52 Unfälle

- 2020: 36 Unfälle

- 2021: 24 Unfälle

- 01.10.2019 - 05.01.2020 : 18 Unfälle

- 01.10.2020 - 05.01.2021 : 10 Unfälle (In diesem Zeitraum teilweise Corona Lockdown und Ausgangssperre)

- 01.10.2021 (Einführung der Einbahnregelung)- 05.01.2022 : 10 Unfälle

Der Rückgang der Unfallzahlen in den Jahren 2020 und 2021 ist der Corona Pandemie und der damit verbundenen Veränderung der Mobilität geschuldet. Im direkten Vergleich der Zeiträume 1.10.- 5.1. von 2020 und 2021 zeigt sich an den Zahlen keine Veränderung - es ereigneten sich jeweils zehn Verkehrsunfälle. In Betrachtung der allgemeinen Umstände, dass im Dezember 2020 Lockdown-Maßnahmen vorlagen, bedeutet die gleichbleibende Unfallzahl eine Verbesserung, da 2021 trotz mehr Verkehr keine Steigerung der Unfallzahlen vorliegt.

Bei der Kategorie der hier recherchierten Unfälle handelt es sich hauptsächlich um Konflikte beim Ein- und Ausparken, sowie um abgefahrene Spiegel im Gegenverkehr. In den Jahren 2020 und 2021 waren bei drei Unfällen Linienbusse beteiligt, in einem Unfall ein Lkw. Die Platzverhältnisse in der Altstadt sind beengt - der vorhandene Verkehrsraum ist nicht für größere Verkehrsströme ausgelegt.

Der Rückschluss aus dem Ergebnis der 100 Tage Bilanz zeigt, dass durch die Einbahnregelung eine sinnvolle Maßnahme im Sinne der Verkehrssicherheit zur Bekämpfung der hier dargelegten Unfallzahlen ergriffen wurde. Das Konfliktfeld zwischen fehlendem Verkehrsraum und Mobilitätsaufkommen kann durch die Einbahnregelung zielgerecht beeinflusst werden. Der Linienverkehr ist bislang von der Einbahnregelung ausgenommen - die Auswertung zeigt jedoch auch hier, dass diese Ausnahme bei weiteren Planungen überdacht werden muss.

Fazit:

Die Polizeiinspektion Dachau begrüßt die Entscheidung der Stadt Dachau für die Einführung der Einbahnregelung im Rahmen des Probebetriebs. Die Aspekte »Sicherheit« und »Leichtigkeit des Verkehrs« haben davon schon jetzt - nach 100 Tagen - profitiert.