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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Monday, 15. August 2022 · 18:44 Uhr
 
 
 

Bierprobe mit Layla?

Auftakt zum Dachauer Volksfest

Setzt auf Tradition mit moderaten Neuerungen: Festwirt Ewald Zechner (Foto: öxler)

Volksfest in Dachau. 10 Tage Gaudium für Groß und Klein aus nah und fern auf der Thomawiesn. Dirndl und Krachlederne werden – nach zwei pandemiebedingten Nullrunden – vorsichtshalber schon mal gelüftet. Der Countdown läuft, der Lustpegel steigt. Ja - nur noch sieben Mal schlafen bis das traditionelle »Ozapft is!« eine lange Trockenzeit beendet. Wobei… Wen der Bierdurscht plagt und es gar nimmer aushält, kann schon einen Tag früher das »Krüge hoch!« üben: bei der traditionellen Bierprobe am sogenannten Volksfestvorabend. Wie der so geplant ist und auf was sich die Besucher:innen am kommenden Freitag, 12. August, freuen dürfen – darüber habe ich mich am Dienstag mit Festwirt Ewald Zechner unterhalten. Immerhin gab’s da ja im Vorfeld zu seinen »Feinjustierungen an Tradition und Brauchtum« angeregte Diskussionen. So zwischen beide Daumen hoch und fassungslosem Kopfschütteln. Während rings um uns die Vorbereitungen für die Festzelt-Ausstattung auf Hochtouren laufen, erzählt er mir, dass er mit seinem neuen Unterhaltungsprogramm – Schlager, Hits und bayerische Tanzlmusi von gleich drei (!) Musikgruppen – eigentlich nur einem in den vergangenen Jahren vielfach geäußerten Wunsch nach mehr Gemütlichkeit und Geselligkeit nachgekommen sei. Statt Power-Sound à la Wacken und Ballermann früherer Jahre jetzt Tanzen und Schunkeln? Er lacht und nickt. Und betont, dass damit zwar eine Tradition aus jüngerer Zeit zumindest unterbrochen, gleichzeitig aber auch wieder an ursprünglicheres Brauchtum angeknüpft werde. Ob während der Volksfestzeit, also auch am Abend der Bierprobe, der aktuelle Sommerhit gespielt wird, möchte ich wissen. Die Stadtväter:innen hatten ja angeraten, die schöne, junge, geile »Layla« zu ignorieren. Er zuckt die Schultern und ist sich sicher, dass der Hit vom Publikum eingefordert wird. Tja, und bevor randaliert werde und Bierkrüge fliegen… Ich muss unwillkürlich schmunzeln. Auch, weil der Ewald das Gespräch aufs Bier lenkt. Verständlich, wenn‘s sich kommenden Freitag speziell um die Verkostung des Festbiers dreht. Erstmals kommt nämlich im großen Festzelt nicht das von Spaten nach Dachauer Rezeptur gebraute »Thomabier« zum Ausschank, sondern Augustiner Hell. Nach dem durchwegs positiven Echo auf das beliebte Bier beim »Sommer auf der Wiesn« im vergangenen Jahr, so mein Gesprächspartner, habe er sich für die Münchner Traditionsbrauerei als Partner auch fürs Dachauer Volksfest entschieden. Super, endlich… hier – buh, wie kann man nur… dort. Ganz verstehe ich das Problem nicht, weil ich weiß, dass es das Thoma-Festbier ja in den anderen Zelten geben wird. In Schweigers Schmankerlzelt sogar 40 Cent unter dem offiziellen Bierpreis von 8 Euro 60. Hm… ja, deutlich teurer als vor drei Jahren, aber immer noch eins der günstigsten im Vergleich mit dem Gerstensaft anderer Volksfeste. Ich fasse zusammen: Spaten, wer mag und Augustiner, wer mag… Diversität also auch auf der Dachauer Wiesn. Übrigens auch in puncto Ausschank: Während heute ganz allgemein, das Bier aus wirtschaftlichen Gründen aus Containern ausgeschenkt wird bei Großveranstaltungen (auch das Festmärzen der Spatenbrauerei – Anm. d. Red.), kommt das Augustiner am Volksfestvorabend bei uns erstmals wieder ganz traditionell aus Hirschen, also 200-Liter-Fässern. Mmmhh… frisch gezapftes Bier vom Fass – ja do legst di nieda!