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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Wednesday, 16. October 2019 · 23:44 Uhr
 
 
 

Wie sieht die Politik der Zukunft aus?

Aktivisten und Politiker diskutieren im Zieglerbräu

Zwischendrin war auch Zuhören gefragt bei Wolfgang Reuther (Extinction Rebellion), Mirjam Körner (Grüne Jugend Bayern), Achim Liebl (Grünen-Kreisrat Dachau), Michael Staniszewski (Fridays for Future Dachau), Lisa Artmeier (Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Dachau). (Foto: A. Förster)

Der Dachauer Kreisverband der Grünen hatte »angesichts der aktuellen politischen Lage« zur Podiumsdiskussion eingeladen. Thema: »Politics for Future? Zum Verhältnis von ökologischem Aktivismus und Politik«. Auf dem Podium im Zieglerbräu diskutierten Wolfgang Kreuther von Extinction Rebellion München, Mirjam Körner, Sprecherin der Grünen Jugend Bayern, Achim Liebl, Sprecher der Grünen-Fraktion im Dachauer Kreistag und Fridays-for-Future-Dachau-Sprecher Michael Staniszewski. Die Moderation hatte die Klimaschutzbeauftragte des Landkreises, Lisa Artmeier inne.

Nach anfänglichem Kuschelkurs der vier »Kontrahenten« entspann sich schließlich doch ein lebhafter Disput, eine Art Richtungsstreit, wie man die eigenen Ziele, Forderungen und Wünsche am effektivsten umsetzen kann. Für den Aktivisten von Extinction Rebellion, Wolfgang Kreuther, sind es gewaltfreie Maßnahmen wie Blockade- und Störaktionen. Darunter fallen auch sogenannte die-ins, bei denen eine Gruppe von Aktivisten wie tot umfällt, zum Beispiel bei öffentlichen Veranstaltungen, und andere dabei Flyer verteilen. Das diene dazu, die Gruppe und ihre Ziele bekannt zu machen, so Reuther. Für Extinction Rebellion steht der Klimakollaps und das massenhafte Aussterben der Arten kurz bevor. »Unsere wichtigste Forderung ist daher die Einsetzung von repräsentativen Bürgerversammlungen, die über Zukunft der Gesellschaft beraten und bestimmen sollen«, erklärt Reuther. Mit der Politik sei ein rechtzeitiges Umsteuern nicht mehr möglich, die Gesellschaft müsse das jetzt selbst in die Hand nehmen.

Grünen-Kreisrat Achim Liebl sah das naturgemäß anders und warb um Verständnis, dass in der Demokratie parlamentarische Prozesse ihre Zeit bräuchten, insbesondere die Beschaffung von Mehrheiten bei unpopulären Maßnahmen. Die Sprecherin der Grünen Jugend Bayern wiederum hält wechselnde Bündnisse für die beste Lösung, wenn es darum geht, politische und soziale Forderungen publik zu machen und Druck auf die Politik auszuüben. Das will auch Fridays for Future. Die junge Gruppierung, die sich überwiegend aus Schülern rekrutiert, ist nun auch in Dachau angekommen. Jemand aus dem Publikum will dem 19-jährigen Michael Staniszewski klar machen, dass sie sich nun als Lobbyisten für ihre Sache mit der Politik an einen Tisch setzen sollen. Das behagt dem Abiturienten gar nicht, »den Begriff Lobbyist mag ich nicht, wir sind nicht auf Gewinn aus, wir kämpfen für eine lebenswerte Zukunft«, stellt er klar. Und betont, dass sich manche Jugendlichen dabei, schließlich seien sie ja auch in der Schule voll gefordert, am Rande des Burnouts bewegten.

Für Mirjam Körner ist das ein akutes Alarmsignal, das sie auf die Aussage von Wolfgang Reuther zurückführt: »Wir haben keine Zeit mehr...!« Im Widerspruch dazu sagt sie: »Das ist der schlimmste Ratgeber in der Politik.« Sie ist überzeugt: »Die Zeit, Mehrheiten zu finden, müssen wir uns einfach nehmen.«

Nur in einem waren sich alle einig: Dass die Klimaschutzbeauftragte des Landkreises, Lisa Artmeier, noch mehr Einfluss auf die Entscheidungen im Landkreis Dachau bekommen solle.