-1.63°C

Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Wednesday, 21. February 2018 · 19:53 Uhr
 
 
 

Innen heiß und draußen Eis: Dachau kann beides

Der SV Dachau und die Woodpeckers des ESV bewähren sich als Turnierveranstalter

Para-Eishockey ist ein athletischer Sport, der der Spielern alles abverlangt (Foto: A. Förster)

Unterschiedlicher hätten die zwei großen Sport-Veranstaltungen am Wochenende in Dachau nicht sein können: Im gut beheizten Hallenbad fand der 19. Dachauer Masters-Cup statt. Einige Kilometer weiter südlich, an der Städtischen Kunsteisbahn an der Gröbenrieder Straße, wurde zeitgleich Para-Eishockey gespielt. Beide Mal waren örtliche Vereine die Gastgeber: Der SV Dachau richtete das erste große internationale Schwimmturnier des Jahres aus, die ESV Woodpeckers den aktuellen Spieltag der Deutschen Para-Eishockey-Liga.

Für die Große Kreisstadt war beides ein Gewinn, wenngleich sportlich nicht immer alles glatt lief. So wurde die siegreiche deutsche Damen-Freistilstaffel wegen eines zu frühen Wechsels disqualifiziert, der deutsche Rekord somit nicht anerkannt. Am Ende konnten die Damen des SV Dachau trotzdem noch Rekorde für sich verbuchen: So schwamm die Damen-Mannschaft in ihrer Altersklasse neuen deutschen Rekord mit der 200-Meter-Freistil- und der 50-Meter-Freistil-Staffel, Violetta Schlesinger schwamm neuen deutschen Rekord auf der 50-Meter-Bruststrecke und Anke Nowak vom TSV Eintracht Karlsfeld gewann die 400 Meter Freistil in ihrer Altersklasse.

Nach über 1.000 Einzel- und mehr als 100 Staffelstarts wurden schließlich 14 deutsche Landesrekorde, 30 österreichische, 18 russische und ein Schweizer Rekord aufgestellt sowie sieben Europarekorde und ein Weltrekord. 46 Vereine mit mehr als 270 Teilnehmern aus sechs Ländern waren am Start. Sven Höfer weiß, warum hier so viele Rekorde gebrochen werden: »Dachau ist bekannt für sein schnelles Wasser«, versichert der Abteilungsleiter Schwimmen des SV Dachau.

 

Die Kufen-Cracks aus Dachau kommen unter die Räder

Bei Minusgraden trafen sich die Cracks der Deutschen Para-Eishockey-Liga auf der Eisbahn im ASV-Sportpark. Para-Eishockey hieß früher Sledge-Hockey und wird sitzend auf einem Schlitten gespielt. Am Samstag und Sonntag trafen vier Teams aufeinander. Aus Dachauer Sicht lief der Spieltag eher nicht erfolgreich. Zwei Niederlagen kassierten Angry Birds, an der auch zwei Spieler der Woodpeckers Dachau teilnehmen: Stefan Deuschl und Hugo Rädler. Am Samstag verlor man 0:7 gegen den amtierenden Deutschen Meister, die Weserstars aus Bremen. Am Sonntag gab es die nächste Klatsche: 0:6 hieß es am Ende gegen die Spielgemeinschaft NRW. Das letzte Spiel am Sonntag war besonders spannend: Mit 3:2 siegten die Ice Lions Langenhagen im Penalty-Schießen, obwohl sie nach dem zweiten Drittel scheinbar aussichtslos mit 0:2 hinten gelegen hatten.

Para-Eishockey wird nach denselben Regeln wie normales Eishockey gespielt. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass die zumeist querschnittgelähmten oder beinamputierten Spieler in einem Schlitten mit nur einer Kufe sitzen und sich mit zwei kleinen Schlägern abstoßen, die sie an den Händen halten. Gleichzeitig muss man mit einem der Schläger den Puck abspielen oder aufs Tor schießen. Der Sport erfordert enorme Kondition und Gleichgewichtsgefühl. Wenn die Schlitten aufeinanderkrachen, ist das Action pur. Die in den 90er Jahren in Schweden als »Sledge-Hockey« erfundene Sportart erfreut sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Bei den Woodpeckers wünscht man sich aber noch mehr Zuspruch, wie ESV-Vorstand Stefan Steurer betont.

Dann wäre man künftig vielleicht auch in der Liga etwas konkurrenzfähiger. Denn die Angry Birds sind ein Team aus Berliner, Dresdner und Dachauer Spielern, die so gut wie nie zusammen trainieren können. Ein eigenes Team Dachau - davon träumen die Woodpeckers und auch Hugo Rädler. Der Arzt aus Großhadern hat bei einem Unfall beide Beine verloren und ist leidenschaftlicher Para-Eishockey-Spieler. Er macht sich für eine barrierefreie, überdachte Halle stark. Der ESV hat zusammen mit der VR-Bank Dachau dem Stadtrat im Januar ein Konzept für so eine Halle vorgelegt.