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Wednesday, 19. December 2018 · 13:03 Uhr
 
 
 

Immer mehr Hunde, immer mehr Probleme?

Interview mit Hundetrainer Benedikt Scheppan

Jagt der Hund das Pony, trainiert Benedikt Scheppan vor Ort auf dem Reiterhof. (Foto: Claudia Rahlmeier/www.claudiarahlmeier.de)

Des Deutschen zweitliebstes Haustier nach der Katze ist der Hund. 2017 lebten 9,2 Millionen in 18 Prozent der Haushalte, das sind 600.000 Hunde mehr als noch im Jahr 2016. »Die Heimtierpopulation in Deutschland wächst stärker als die Zahl der Haushalte«, sagt Georg Müller, Vorsitzender des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) e.V. »21 Prozent aller Haushalte von Tierhaltern besitzen sogar mindestens zwei Heimtiere und auch die Zahl der Hundehalter, die zwei oder drei Tiere besitzen, ist angestiegen«.

Leider steigen anscheinend auch Konflikte wie Beißvorfälle, Jagen, lautes Bellen in Wohnung und Garten oder Verletzungen bei Hundebegegnungen an. Wir haben mit dem Hundetrainer Benedikt Scheppan, der regelmäßig im KURIER seine Ratgeber-Kolumne veröffentlicht, über die Problematik gesprochen.

Warum gibt es heutzutage so viele Trainer, Schulen, Spieletreffs und Ähnliches für Hunde?

Scheppan: Ich denke, Probleme beginnen oft schon am Anfang. Wir retten Hunde aus schlechter Haltung und Zucht oder dem Ausland, neigen deswegen zu Mitleid und bleiben in dieser Haltung. Dies hilft dem Hund, der im Hier und Jetzt lebt, überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Nur mit Liebe und Leckerlies kann man ihn weder glücklich machen noch erziehen.

Viele vermenschlichen ihren Hund, wählen nach angesagter Rasse, Mode oder Aussehen aus. Man sollte aber vor allem beachten, dass die Energielevels zusammenpassen: ein netter Mops passt zur Seniorin, der Husky zum Langstreckenläufer und nicht umgekehrt. Arbeitshunde ohne Arbeit sind permanent unterfordert und suchen sich früher oder später einen »Job«: Sofa zerlegen, Streunen, Bellen… Probleme sind vorprogrammiert.

Aber Liebe ist doch das Wichtigste?

Scheppan: Liebe bedeutet für Hunde etwas anderes als für uns Menschen. Liebe ist es, seinem Hund ausreichend Bewegung zu verschaffen, ihm Sicherheit im Alltag mit Regeln und Erziehung zu geben, ihn gegenüber Artgenossen, Menschen, Joggern, Kindern, Reitern, Radfahrern … zu sozialisieren. So gibt man seinem Hund die Freiheit, einen entspannt überall hin zu begleiten. Und ausgiebig auf dem Sofa schmusen kann man ja trotzdem.

Mein Hund ist schöner, klüger, besser…

Scheppan: Ich werde oft gefragt, warum der Welpe immer noch nicht »Sitz« kann und begeistert im Mausloch buddelt, obwohl man ihn ruft. Lassie und Rex können das schon lange!

Das ist vollkommen egal, man sollte niemals vergleichen und sich unter Druck setzen lassen. Jeder Hund hat rassetypische Vorzüge und seine Geschichte, der eine lernt schneller und lieber, der andere braucht ein bisserl länger. Entscheidend ist doch, dass man konsequent und fair mit dem Hund umgeht, ihn nicht überfordert, sondern fördert und so im Alltag viel Freude aneinander hat.

Was tun, wenn ich Hilfe brauche?

Scheppan: Es gibt viele Angebote, aus denen man sich das für sein Anliegen beste aussuchen kann. Man kann verschiedene Methoden kombinieren oder nacheinander ausprobieren.

Der Besuch einer guten Hundeschule ermöglicht vielerlei Kontakte, Grundkommandos werden erlernt und zusammen Spannendes erlebt. Man kann vom Austausch mit dem Trainer, Verein oder anderen Teilnehmern profitieren.

Als Hundetrainer arbeite ich grundsätzlich dort, wo die Probleme »wohnen«. Bellen im Haus, starkes Jagdverhalten, Angst beim Autofahren, Betteln im Restaurant oder Verfolgungsjagden auf der Pferdekoppel kann man in der besten Hundeschule nicht üben, dafür muss man vor Ort trainieren.

Ein neutraler Blick »von außen« hilft oft, die Situation besser einzuschätzen. Das Trainingsprogramm wird dann besprochen und auf Besitzer und Hund zugeschnitten. Ich kann individuell auf die jeweiligen »Baustellen« eingehen und begleite das Mensch-Hund-Team auf ihrem gemeinsamen Weg.

(Weitere Infos unter www.dog-coach.de oder Telefon 0 172 - 138 62 61)