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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Wednesday, 19. December 2018 · 12:15 Uhr
 
 
 

AWO Dachau feiert 20 Jahre Frauenhaus ...

... und eine 70-jährige Vereinsmitgliedschaft

AWO-Landesvorstand Dr. Thomas Beyer (li) und die Ortsvorsitzende Thea Zimmer ehren Ludwig Ernst für 70 Jahre AWO-Mitgliedschaft. (Foto: A. Förster)

Die AWO Dachau hatte doppelt Grund zum Feiern: 70 Jahre Mitgliedschaft, »das kommt nicht allzu oft vor«, sagte der Vorsitzende der AWO Bayern, Dr. Thomas Beyer. Er war extra aus Franken angereist, um Ludwig Ernst (88) aus Dachau bei der Weihnachtsfeier im Gasthaus Drei Rosen die Ehrenurkunde und das Goldene Ehrenabzeichen zu überreichen.

Franz Fritsch wurde von Beyer für 45 Jahre Mitgliedschaft geehrt, die Ortsvorsitzende, Thea Zimmer, für 35 Jahre. Die Überraschungs-Laudatio sollte ihr Stellvertreter, Dieter Moser, halten: »Ich weiß hier von nichts«, rutschte es ihm heraus, Thea Zimmer hatte ihn, wie man sie kennt, ins kalte Wasser geschubst. So gab es keine Rede, was auch nicht in ihrem Sinne gewesen wäre, Moser dankte ihr hingegen herzlich für »den jahrzehntelangen Einsatz« und bezeichnete sie liebevoll als »unser lebendiges Mobiliar«. Das war äußerst respektvoll gemeint und der Saal quittierte es mit Schmunzeln und Applaus.

Anlässlich der Adventszeit hatte Zimmer in ihrem Grußwort zuvor die Bedeutung von Kerzen, Licht und Wärme betont: »Die AWO Dachau verteilt seit 72 Jahren Wärme, indem sie für die Menschen in der Stadt da ist.«

Ein Ort, der genau dafür steht, ein Licht der Hoffnung zu sein und Menschen in Not mit Wärme zu begegnen, ist das Frauenhaus der AWO Dachau. Vor 20 Jahren von Gerdi Müller gegründet, nachdem sie zehn Jahre lang gekämpft hatte, um ihre Idee politisch durchzusetzen. »Wir brauchen keine weitere Negativ-Einrichtung in Dachau«, war einer von vielen gehässigen Kommentare seitens einiger Mandatsträger, die sie sich damals anhören musste, erinnerte sich Müller bei der Jubiläumsfeier im Ludwig-Thoma-Haus.

Mittlerweile ist das geschützte Zuhause auf Zeit für Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, aus der Stadt nicht mehr wegzudenken, im Gegenteil: Die Nachfrage übersteigt das Platzangebot um mehr als das Zehnfache. Angesichts dessen forderte Müller in ihrer engagierten Rede mit Blick auf die anwesende Staatssekretärin Carolina Trautner aus dem bayerischen Familienministerium: »Wir brauchen einen Rechtsanspruch für Frauen auf Schutz und eine anständige Finanzierung, mit einem schönen Gruß an die Frau Ministerin Schreyer!« Kämpferisch wie eh und je.