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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Thursday, 17. October 2019 · 00:41 Uhr
 
 
 

»Zu viele Autos, die nur herumstehen«

Bürgerdialog zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz beim Bauen und in der Mobilität

Kreisbaumeister Georg Meier, Verkehrsplaner Carsten Gertz, Architektin Susanne Runkel und Landrat Stefan Löwl luden zum Bürgerdialog in den Dachauer Sparkassensaal. (Foto: A. Förster)

»Nachhaltigkeit beim Bauen und in der Mobilität beschäftigt die Bürger«, sagte Landrat Stefan Löwl in seiner Begrüßung. Deshalb wolle man sich des Themas in einem eigenen Bürgerdialog annehmen. Dazu hatte das Landratsamt eigens zwei ausgewiesene Experten in den Sparkassensaal eingeladen: Prof. Dipl.-Ing. Susanne Runkel ging in ihrem Impulsvortrag auf die Aspekte der Energiebilanz und dem Klimaschutz beim Bauen ein und Prof. Dr.-Ing. Carsten Gertz informierte über städtebauliche Bedürfnisse der Mobilität von morgen. Dabei machten beide klar, dass Politik, Industrie und Bürger nur gemeinsam die Zukunft gestalten können - und müssen. Und dabei auch nicht vor drastischen Maßnahmen zurückschrecken dürfen. Das betreffe in besonderem Maße auch die Bauwirtschaft, die zu einem erheblichen Teil zur Abfall- und CO2-Belastung der Umwelt beitrage, betonte die Architektin, Baubiologin und Professorin für Bauphysik und Ökobilanzierung an der Hochschule Augsburg. Um den Energieverbrauch zu senken, bedürfe es eines besseren Recyclings, insbesondere von hochwertigen Baustoffen, sowie einer Reduzierung der Bauvorhaben auf das Notwendige und einer energiesparenden Konstruktion von Gebäuden. Ihre Formel dazu lautete: Suffizienz, Effizienz und erneuerbare Energien.

»PKW-Nutzung ist ineffizient«

Für Verkehrsplaner Carsten Gertz von der TU Hamburg sind in Deutschland zu viele Autos angemeldet. Der Zielwert liege bei 150 Autos pro 1000 Einwohnern, in Deutschlands gebe es aber durchschnittlich 580 Autos pro 1000 Einwohner, in Großstädten sind es 300. Eine »Übernutzung des öffentlichen Raums«, attestiert Gertz. Zudem sei die PKW-Nutzung ineffizient: Im Durchschnitt werde jedes Auto nur etwas mehr als drei Prozent seiner Lebenszeit genutzt, die restliche Zeit stehe es nur herum. Es brauche deshalb intelligentere Mobilitätskonzepte. Gertz nannte als erstes das Car-Sharing: »Wer weniger als 10.000 Kilometer im Jahr fährt braucht kein eigenes Auto, da ist Sharing wirtschaftlicher«, so Gertz. Viel hänge davon ab, wie sich die wohnortnahe Mobilität entwickeln werde, zum Beispiel mit Bike-Sharing, Radleihsystemen, Radabstellanlagen oder dem öffentlichen Nahverkehr.

Nach den Vorträgen stellten Landrat Stefan Löwl, Kreisbaumeister Georg Meier und die Zuhörerinnen und Zuhörer zahlreiche Fragen an die Referenten und diskutierten diese.