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Friday, 20. October 2017 · 12:26 Uhr
 
 
 

»Nach dem Projekt ist vor dem Projekt«

Landratsamt zieht nach zwei Jahren »Lokale Allianz gegen Demenz« Zwischenbilanz

Projektleiterin Christa Kurz (Mitte), Seniorenberaterin Elfriede Felkel (li) und Expertin Bianca Broda liegen die Betroffenen am Herzen. (Foto: Matthias Schneider)

Dass unsere Gesellschaft immer älter wird, ist lange kein Geheimnis mehr. Infolgedessen steigt auch die Zahl von altersbedingten Krankheitsbildern. Eines davon ist Demenz. Oft wollen Betroffene oder Angehörige die Diagnose der bisher unheilbaren Krankheit kaum wahrhaben. Doch dadurch verpassen es Viele, die Hilfsangebote anzunehmen, die ihnen offenstehen. Um das zu ändern, wurde 2015 unter der Schirmherrschaft des Landratsamtes Dachau das Projekt »Lokale Allianz gegen Demenz« in ins Leben gerufen. Ziel dieser Kooperation ist die bessere Vernetzung von Betroffenen, Angehörigen, Ehrenamtlichen, Seniorenverbänden, Pflegediensten und der Politik. Am Freitag, den 22. September, zog das Bündnis im Sitzungssaal des Landratsamtes eine Zwischenbilanz der bisherigen Ergebnisse. Landrat Stefan Löwl konnte etwa 50 Vertreter der oben genannten Parteien, inklusive mehrerer Bürgermeister und dem Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann begrüßen und versprach, dass die Bemühungen des diesen August ausgelaufenen Projekts fortgeführt würden, denn: »Nach dem Projekt ist vor dem Projekt«.

Anschließend übergab Löwl das Wort an Bernhard Seidenath, den gesundheitspolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion und stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für Gesundheit und Pflege. Dieser lieferte erstmal Fakten zur Situation: In Bayern seien 220.000 Menschen an Demenz erkrankt, bundesweit etwa 1.600.000. Diese Zahlen sollen sich aufgrund des demographischen Wandels bis 2050 verdoppeln. Bisher würden 70 Prozent der Patienten zuhause gepflegt, wodurch elf Prozent der pflegenden Angehörgen ihre Arbeit aufgegeben hätten. Seidenath und seine Kollegen wollen die Pflegenden unter Anderem durch den Ausbau von Tagespflegeangeboten entlasten. Auch soll es künftig leichter möglich sein, den Erkrankten für ein bis zwei Wochen in Vollzeitpflege zu geben, um der Familie die Möglichkeit für einen Urlaub zu ermöglichen.

Über die »Lokale Allianz« an sich informierte die Demenzexpertin Bianca  Broda. Besonders wichtig sei es gewesen, die verschiedenen Pflegeeinrichtungen, Kassen, öffentlichen Institutionen und vor allem die Betroffenen an einen »runden Tisch« zu setzen, um einen Handlungsplan für die bessere Betreuung von Demenzkranken zu erarbeiten, der Ende diesen Jahres vorgestellt wird.

Über die Umsetzung der Öffentlichkeitsarbeit, die Aktionswoche zur Sensibilisierung für Demenz  im Jahr 2015 und die seitdem gestiegene Nachfrage an Beratungsterminen referierte schließlich Projektleiterin Christa Kurzlechner vom Landratsamt.

Beim anschließenden Stehempfang war einigen, vornehmlich älteren, Zuschauern, die sich bei den Projektleitern bedankten, die Rührung, dass man sich ihrer Not annahm, deutlich an den Augen abzulesen.