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Tuesday, 18. June 2019 · 04:46 Uhr
 
 
 

»Leidenschaft für die eigenen Ideen ist wichtig«

Fünf Kreisrätinnen wollen ihren Geschlechtsgenossinnen Mut machen

Moderatorin Caroline Voit (3.von re) diskutierte mit den Kreisrätinenn (von li) Mechthild Hofner, Marianne Klaffki, Martina Purkhardt, Stephanie Burgmaier und Ursula Kohn. (Foto: A. Förster)

Der vieldeutige Titel der Veranstaltung lautete »Frauen – Macht Politik«. Verständlich wurde er im Laufe des Abends. Frauen - Macht Politik. Traut euch, ihr werdet gebraucht. Wer weiß, ob ihr nicht irgendwann mal für den Bundestag kandidiert – ein Reiz, der zum Beispiel Martina Purkhardt, FW-Kreisvorsitzende in Schwabhausen, in die Kommunalpolitik lockte. Verbunden mit einem Ziehvater innerhalb der Partei, der das politische Talent in der Sparkassenangestellten sah. Zusammen mit vier weiteren Kreisrätinnen teilte sich Purkhardt die Bühne der gut besuchten Kulturschranne, um von ihren Erfahrungen im Gemeinde- und Kreisrat zu sprechen. Und davon, was für ein tolles Gefühl es ist, wichtige Dinge für die Heimatgemeinde oder -Region mitentscheiden zu können.

Der Abend stand also im Zeichen von Frauen, die ihren Mann stehen. Zunächst wurde Heidemarie Fitzthum mit der Landkreisverdienstmedaille ausgezeichnet. Die Liste ihrer Ehrenämter ist lang: Seit 1968 organisiert sie den Kinderfestzug zum Start des Dachauer Volksfests, auch für den Engelszug während des Christkindlmarkts ist sie verantwortlich. Von 1996 bis 2006 war sie im Stadtrat. Als Landrat Stefan Löwl der 77-Jährigen die Medaille überreichte, gab es stehende Ovationen.

Perspektive der Frauen ist wichtig

Danach entspann sich eine rege Diskussion zwischen fünf Kreisrätinnen, die von Moderatorin Caroline Voit auf die Bühne geholt wurden: Stephanie Burgmaier (CSU), Marianne Klaffki (SPD), Martina Purkhardt (FW), Ursula Kohn (B90/Grüne), Mechthild Hofner (ÖDP). Alles Ehefrauen und, bis auf Purkhardt, Mütter.

Sie waren sich einig, dass man mehr Frauen in der Politik brauche. Nicht nur für die klassischen Frauenthemen wie Familie oder Gesundheit, sondern genauso für Themen wie Bauen, Mobilität und Energie, da sie jede und jeden im Landkreis beträfen und die Sichtweisen der Frauen überall gefragt seien. Außerdem sei die Zahl der Frauen, die sich in der Politik engagierten, seit 20 Jahren rückläufig.

Frauen wollen gefragt werden

Nicht immer einig waren sich die fünf, wie es Frauen in die Politik schaffen könnten. Marianne Klaffki machte sich stark dafür, den eigenen Weg zu gehen, unabhängig von sogenannten Ziehvätern. Bei den anderen klang durch, dass die meisten Frauen nicht von sich aus den Sprung ins kalte Wasser wagten. Weil sie es sich nicht zutrauten, oder wegen des zeitraubenden »Dreifachspagats«: Beruf, Familie, Ehrenamt. Stephanie Burgmaier appellierte daher an die anwesenden Mandatsträger: »Frauen wollen gefragt werden!« Sie müssten und könnten sich immer wieder auf neue Situationen einstellen, das sei ein Gewinn für die Politik. Daher lohne es sich, Frauen zu fördern.

Leidenschaft ist wichtig

Mechthild Hofner betonte, wie wichtig es sei, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Sie habe nicht nur einmal erlebt, wie ihre Anträge abgelehnt wurden, über Umwege bei Kollegen anderer Fraktionen landeten und schließlich angenommen wurden – auch das werte sie als Erfolg. »Daran sieht man den Unterschied zu Männern«, ergänzte Martina Purkhardt. »Die wollen den eigenen Erfolg, für uns Frauen ist das nicht so wichtig…« Letztlich waren sich alle einig, dass bei aller Unterschiedlichkeit zwischen Frauen und Männern die Leidenschaft für die eigenen Ideen ein wichtiges Argument für den Eintritt von Frauen in die Politik sei.

Ursula Kohn, Kreisrätin aus Odelzhausen, ermutigte diejenigen ohne politische Vorbildung: Es brauche keine Spezialistinnen. Man könne sich in alles einlesen, wichtig sei am Ende das Abwägen der Argumente.

Spektakulär wurde es zum Schluss: Landrat Löwl nahm einen parteiübergreifenden Antrag aller 16 dem Kreistag angehörenden Rätinnen entgegen für einen Beschluss, künftig die Fraktionen mit einer Doppelspitze, bestehend aus einem Mann und einer Frau, zu besetzen. Voraussichtlich wird der Antrag in einer der nächsten Ausschusssitzungen vorberaten und in der Kreistagssitzung am 26. Juli zur Beschlussfassung eingebracht.