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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Friday, 20. April 2018 · 18:37 Uhr
 
 
 

Erst angelockt, dann abgezockt?

Krankenkassenbeiträge bei Direktversicherungen

Der Interessenverband Direktversicherungsgeschädigte e.V. ist ein Verein, der sich für rund acht Millionen Betroffene einsetzt, die während ihrer aktiven Arbeitsphase privat in eine besondere Altersversorgung, die sogenannte Direktversicherung, investiert haben.

Bei der Auszahlung, in der Regel bei Rentenbeginn, kommen dann die Krankenkassen und verlangen bis zu 18 Prozent Sozialabgaben, obwohl die Beiträge für diese Kapital-Lebensversicherung bereits »verbeitragt« waren. Dies wird damit begründet, dass es sich um eine betriebliche Altersversorgung handelt, obwohl hier allein die Arbeitnehmer die Beiträge zahlen.

Der Interessensverband Direktversicherungsgeschädigte e.V. kämpft gegen Krankenkassen, Sozialgerichte und letztlich gegen die Politik. Es kommen laufend noch Betroffenen hinzu, aber es gibt unter den Arbeitnehmern unzählige, die noch gar nicht wissen, was auf sie zukommt. Allen Betroffenen können sich auf der Homepage www.dvg-ev.org informieren.

Auf Nachfrage des KURIER bestätigte die in Bergkirchen ansässige Krankenkasse BKK ProVita, dass das ein großes Thema ist, sobald die Auszahlung der Direktversicherung ansteht. Die Beitragserhebung gibt der Gesetzgeber vor, die Beitragssätze unterscheiden sich je nach Krankenkasse. Der Beitragssatz aus Versorgungsbezügen beträgt zum Beispiel bei der BKK ProVita 15,5 Prozent, bei der AOK Bayern 15,7 Prozent. Rechtgrundlage ist der § 229 SGB V, die Kassen sind hier ausführendes Organ. Unter dem Link www.bkk-provita.de/versicherte/beitragssaetze/rentner kann man sich weitergehend informieren.

Ein ausführliches Statement des Interessenverbandes ist unter www.kurier-dachau.de bei diesem Beitrag zu finden.

DGV-Bericht: Direktversicherung - erst angelockt - dann abgezockt!

Sie sind noch Arbeitnehmer, oder schon Rentner? Sie haben über Ihren Arbeitgeber eine Kapitallebensversicherung als sogenannte Direktversicherung abgeschlossen und in diese Ihren sauer verdienten Lohn – für den Sie natürlich schon Krankenkassenbeiträge gezahlt hatten – eingezahlt? Von Ihrem Arbeitgeber haben Sie nicht einen Cent Zuschuss bekommen. Sie waren ja der Aufforderung der Politik nachgekommen, selbst etwas für Ihre Altersvorsorge zu tun. Sie wurden ja vom Staat mit einer niedrigen Pauschalsteuer angelockt. Sie freuen sich jetzt auf eine ordentliche Auszahlung. Und genau an dieser Stelle haben Sie sich geirrt. Und zwar gründlich. Denn Ihre gesetzliche Krankenkasse teilt Ihnen nach erfolgter Auszahlung mit, dass Sie auf diese Summe verteilt auf 120 Monate Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zu zahlen haben, einschließlich Arbeitgeberbeitrag. Und zwar aktuell 18 Prozent Monat für Monat.

Auf Nachfrage erhalten Sie von Ihrer Krankenkasse folgende Antwort: Bei der erhaltenen Kapitalleistung handelt es sich um einen betrieblichen Versorgungsbezug gem. § 229 SGB. Spätestens dann werden Sie sich fragen, »ich habe doch mit meinem eigenen Geld, für das ich bereits Beiträge zur Krankenversicherung gezahlt habe, diese Kapitallebensversicherung bezahlt. Mein Arbeitgeber hat doch nur pro Forma gegenüber der Versicherungsgesellschaft als Antragsteller fungiert«.

Im Jahr 2004 wurde diese zutiefst ungerechte und unsoziale Regelung im Deutschen Bundestag mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz zum geltenden Recht erklärt. Wertvorstellungen wie Vertrauens- und Bestandsschutz, auf die Millionen Bürgerinnen und Bürger mit Abschluss ihrer Direktversicherungen gesetzt hatten, wurden seinerzeit im Deutschen Bundestag mit den Stimmen der CDU/CSU/SPD/Grüne mit einem Federstrich zur Seite gefegt. Begründet mit Finanzlücken bei den gesetzlichen Krankenkassen und der Leistungsfähigkeit von älteren Menschen.

Millionen von Bürgerinnen und Bürger sind zutiefst enttäuscht und ja – auch wütend und empört – über diesen rückwirkenden Eingriff in geschlossene Verträge. Hatte sich zum Beispiel ein Versicherter auf eine Ausschüttung in Höhe von 100.000 Euro aus seiner Direktversicherung eingestellt, stellt er bei Auszahlung seiner Direktversicherung fest, dass von dieser Summe rund 17.850 Euro an seine gesetzliche Krankenkasse gehen. Unter dem Strich ein riesiges Verlustgeschäft. Private Altersvorsorge wird nicht honoriert.

Deshalb: Hände weg von Direktversicherungen – nur Ihre Krankenkasse freut sich!

Zahlreiche Betroffene haben sich zu dem jüngst gegründeten Interessenverband Direktversicherungsgeschädigte e.V. (www.dvg-ev.org) zusammengeschlossen.

Sie fordern die sofortige Abschaffung der Beitragszahlungen aus Direktversicherungen und die vollständige Rückerstattung der gezahlten Beiträge an die Betroffenen.

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Hilfe oder mehr Informationen benötigen, oder vielleicht auch Mitglied werden wollen: Direktversicherungsgeschädigte e.V., Gerhard Kieseheuer, Buchenweg 6, 59939 Olsberg, Telefon: 02962-750 33 77 und www.dvg-ev.org.