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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 9. December 2018 · 22:42 Uhr
 
 
 

Ein Abenteuerspielplatz

Hannes Tous beseitigt Sturmschaden

Eine Baustelle, eine Einfamilienhaus-Eindeckung, würden sie gerade abschließen… eine andere, die Umdeckung eines mehrstöckiges Wohn- und Geschäftshaus in Röhrmoos, vorbereiten. Kran aufstellen und so… Er habe aber auch noch was Ausgefallenes zum Fotografieren, meinte Hannes Tous, etwas durchaus nichts Alltägliches. Ob ich interessiert sei. Freilich, normal hatten wir ja in den letzten Jahren des Öfteren, meinte ich, als wir uns zur Vorbereitung seines aktuellen ProfiPorträts verabredeten. Warum also nicht mal was Besonderes. Gut, wir trafen uns zwar dann kurz auf seiner Röhrmooser Baustelle – einmal Gerüst rauf und runter – fuhren dann aber gleich weiter. Er voraus, ich hinterher. Nur wenige Kilometer weiter, in Richtung Dachau. Als er anhielt, fiel mir fast die Kamera aus der Hand. Wir standen vor einer, in meinen Augen, riesigen eingerüsteten Halle, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Schutt und schwere Eternitplatten davor. Kein Mensch weit und breit. Der Hochnebel am Montagnachmittag verstärkte die unwirkliche Stimmung noch. Vor allem dann, innen, in dem Hallenmonstrum, das nicht überdacht war. Wie ein Gerippe wirkten die Betonträger, die quasi den Dachstuhl bilden. Mich erinnerte diese Situation an eine Dokumentation, die ich vergangenes Wochenende über verlassene Orte gesehen hatte. Unter »Lost Places« wurde ein neuer Trend vorgestellt: aufgelassene Fabriken, verlassene Bauernhöfe, von der Natur überwucherte Hallen et cetera zu fotografieren und zu dokumentieren. So stand ich nun mitten drin in einem solchen Platz – mit einem Unterschied: Er soll wiederbelebt werden und so erging, im ersten Schritt, der Auftrag an Hannes Tous und sein Team, das Dach instand zu setzen. Oben in luftiger Höhe erfuhr ich dann mehr über diesen Auftrag, nein: über diese Aufgabe. Kurz und knapp, jedoch mit blitzenden Augen, erzählte mir der Weichser Dachprofi wie er zu diesem »Abenteuerspielplatz«, wie er sich ausdrückte, gekommen ist. Die orkanartigen Böen, die Ende Juli auch über den Landkreis weggezogen waren, hatten hier rund 400 Quadratmeter Dachfläche zerstört. Nach einer gründlichen Besichtigung sei schnell klar gewesen, dass ein Ausbessern beziehungsweise Ergänzen nichts bringe. Zuviel sei marode und kaputt gewesen. Also neu eindecken. Und dies hätte mit dem Abtragen des restlichen Dachs begonnen. Nahezu 70 Tonnen Material, schwere Eternitplatten und Bitumen hauptsächlich, hätten sie Stück für Stück abtragen müssen. Während Hannes Tous mich auf die bereits montierten Holzauflieger und Dachrinnen aufmerksam machte, verriet er mir, dass jetzt ein Stahldach vorgesehen ist. Stahl? Ja, zwölf Meter lange Trapezstahlbleche, die dann nicht mal ein Zehntel der ursprünglichen Dachlast auf den im Sieben-Grad-Winkel gebauten Betondachstuhl bringen. Wissen Sie was, ich hätte gute Lust, hier auch die Eindeckung und das fertige Dach zu fotografieren. Und, keine Frage, auch im nächsten Tous-ProfiPorträt darüber zu berichten. Ob mich der Hannes das lässt? Bin gespannt…