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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Tuesday, 23. January 2018 · 02:47 Uhr
 
 
 

Drei aus der Gründergeneration

Zur Geschichte des Protestantismus im Landkreis

Das Gotteshaus in Lanzenried mit dem angrenzenden Friedhof (Foto: Dr. Birgitta Unger-Richter)

Die 2005 vom ehemaligen Kreisheimatpfleger Dr. Nobert Göttler ins Leben gerufene Reihe „Gegen das Vergessen“ wird seit 2013 von seiner Nachfolgerin Dr. Birgitta Unger-Richter fortgeführt. »Gegen das Vergessen« macht im jährlichen Turnus auf außergewöhnliche Persönlichkeiten aufmerksam, die sich im Landkreis Dachau im sozialen, politischen, kulturellen oder wissenschaftlichen Bereich verdient gemacht haben.

Im Jubiläumsjahr 2017 wird, 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag, auch die Geschichte der Reformation im Dachauer Landkreis vielschichtig beleuchtet. Die Hochzeit des Kurfürsten Max IV Josef (1756 – 1825) mit der Protestantin Caroline von Baden (1776 – 1841) im Jahr 1797 stand am Beginn der rechtlichen und religiösen Gleichstellung der Konfessionen in Bayern, die Teil der Reformen des Kurfürsten und seines Ministers Montgelas darstellten. Ab 1800 konnten Protestanten das Bürgerrecht erwerben und durch das Religionsedikt von 1803 waren alle Konfessionen gleichberechtigt.

Stifter des Baugrundes

Als Max IV Josef Anfang des 19. Jahrhunderts Siedler anwarb, um die unkultivierten, bzw. wenig besiedelten Landstriche Bayerns bewohn- und nutzbar zu machen, machten sich auch zahlreiche protestantische Siedler aus der ehemaligen pfälzischen Heimat des Kurfürsten auf den Weg. Im Dachauer Land zogen sie in die Weiler Kemmoden, Stachusried, Lanzenried, Tafern und Eichstock, um dort landwirtschaftliche Anwesen zu übernehmen.

An drei Protestanten dieser Gründergeneration wird im Rahmen von „Gegen das Vergessen“ dieses Jahr besonders erinnert: Daniel Walter und die Brüder Johann und David Ruth, die Stifter des Baugrundes, auf dem die beiden Gotteshäuser in Lanzenried und Eichstock errichtet wurden.

Der aus dem elsässischen Langensoultzbach stammende Daniel Walter, mit seiner Frau Magdalena und den drei Kindern, erwarb 1820 die Hälfte eines Hofes in Lanzenried aus dem ehemaligen Besitz des Klosters Scheyern. Der Sohn Walters, ebenfalls auf den Namen Daniel getauft, übernahm 1836 von seinem Vater den Hof und stiftete im gleichen Jahr den Grund für das Bethaus und den Friedhof. Das Gebäude bestand aus einem Saal im ersten Stock für die Gottesdienste und einem Schulraum mit Lehrerwohnung im Erdgeschoß.

Damit wurde die bislang unzureichende kirchliche Versorgung der Protestanten gedeckt. Die langen Wege zu den Gottesdiensten nach Kemmoden oder die Versammlungen und der Schulunterricht auf dem Hammerhof in Stachusried oder dem Tafelhof in Tafern entfielen. Der erste Lehrer in Lanzenried war Philipp Lörsch, der mit der Schwester Daniel Walters, Dorothea, verheiratet war. Die Nachfahren der Familien leben noch heute im Weiler Lanzenried und Umgebung.

Die Brüder Johann und David Ruth stifteten am 10. April 1838 den Grund für das Bethaus und einen Friedhof in Eichstock. Sie gehörten der Gemeinschaft der Mennoniten an, einer Täuferbewegung, die auf die Schweizer Reformation um Ulrich Zwingli (1. H. 16. Jhdt.) zurückgeht.  Die Baugenehmigung in Eichstock erfolgte am 31. Januar 1838 durch König Ludwig. Bereits am 14. November desselben Jahres konnte das Gebäude, ein sattelgedeckter Saalbau mit großen Fenstern eingeweiht werden. In den folgenden Jahren von 1839 bis 1845 wirkte David Ruth zusammen mit Elias Dettweiler als Prediger im neuen Bethaus.

Sorge um die Zukunft

Als die Revolution von 1848 auch in München Folgen zeigte, sorgten sich die Mennoniten um ihre Zukunft: „Wir hatten große Angst ... weil wir in einem fremden Land und nicht katholisch waren.“, formulierte David Ruth seine Zukunftssorge. Die Mennoniten fürchteten um ihren Besitz und ihr Leben. Mehr als die Hälfte der Gemeinschaft verließ deshalb in den 50er Jahren die neue Heimat im Norden des Dachauer Landes. Dazu gehörten auch David Ruth mit seiner Frau Katharina und den acht Kindern, sowie sein Bruder Johann mit Familie. Sie machten sich 1852 auf, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen.

Noch heute stehen beide Gebäude auf einer Anhöhe, von wo aus der Blick weit ins Dachauer Hügelland geht. Auf den Friedhöfen findet man noch Grabsteine, die an die Gründergeneration im 19. Jahrhundert erinnern. Beides sind sichtbare Zeichen für die Anfänge der protestantischen Besiedlung im Dachauer Land, die im 20. Jahrhundert nach dem zweiten Weltkrieg und dem Zuzug im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts nochmals einen Aufschwung nahm.

In einer Ausstellung im Bezirksmuseum Dachau (Augsburger Str. 3) wird bis 28. Janaur 2018 an die Geschichte der Protestanten im Dachauer Land erinnert.