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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 19. August 2018 · 07:36 Uhr
 
 
 

Der tägliche Kirchgang

Grahamer-Team möbelt St. Alban auf

Gerade mal fünf Gehminuten sind es von der Schreinerei Grahamer zur Ortskirche von Eisenhofen. Nur die untere Dorfstraße hinauf. Eine Weile seien sie fast täglich diesen Weg gegangen, meinte Simon »Simmerl« Grahamer am Montagvormittag auf dem Weg dorthin. Manches Mal auch gefahren, wenn sie etwas abholen mussten oder liefern, erzählte er mir – er zwei Schablonen unterm Arm, ich meine Kamera. Seit dem letzten Jahr seien er, sein Vater Simon und Geselle Alex hier mit Renovierungsarbeiten beschäftigt. Nein, nicht ausschließlich, doch aber kontinuierlich. Denn nach Abschluss aufwändiger Instandsetzungsarbeiten im Außenbereich so vor zwei Jahren, sollte auch die Sakristei und das Kirchenschiff selbst aufgemöbelt werden. Ja, und mit den Schreinerarbeiten seien eben sie beauftragt worden. Einfach so? Nein, der Simmerl lachte und erzählte mir, dass sie schon in früheren Jahren gerufen wurden, wenn solide Holzarbeiten gefragt waren. Egal, ob Neues gefertigt oder Altes erneuert werden musste. Die Eingangstüren, nur mal beispielsweise, erfuhr ich, seien Grahamer-Arbeiten, während er gerade die zur Sakristei aufschloss. Dürfen wir da einfach so rein? Ja, alles in bester Ordnung, versicherte er mir, sei mit dem Pfarrer, der seinen freien Tag habe, abgesprochen. Die Sakristei – ein schlicht möblierter Raum, aber gediegen: eine Garderobe… ein Wandschrank… ein Arbeitstisch… Alles Naturholz, wies mich der Simmerl hin, Eiche. Die Garderobe sei neu, der Schrank aufgearbeitet und in der Höhe verändert. Und der Tisch? Na, der wurde gleichzeitig erneuert und umfunktioniert, mit Stauraum jetzt. Wir gingen weiter, wollten ja eigentlich in den Kirchenraum. Die Bänke, hatte er mir vorab schon erzählt, auch Eiche, seien komplett aufgearbeitet worden, auch die seitlichen Bankabschlüsse. Abgeschliffen und vorbereitet hätten sie diese, damit der Kirchenmaler sie, ebenso wie die verzierten Wangen – Docken, wie sie die Schreiner bezeichnen – farblich neu einlassen konnte. Sei eine gute Zusammenarbeit gewesen, erfuhr ich. Simon Grahamer hielt die beiden Schablonen, die er unter dem Arm trug, hin. Nach dieser Form würden sie derzeit noch eine Kniebank, eine Zweierbank für Brautpaare fertigen. Die alte, schon in die Jahre gekommen und teils an den Polstern zerschlissen, müsse ersetzt werden. So wie die Ministrantenhocker dort… Er zeigte auf Hocker mit gedrechselten Beinen und Polstern, die nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprächen. Schlichte Kuben habe der Architekt darum vorgeschlagen und ihnen seine Skizzen zur Konstruktion überlassen. Ah, sind das die, die in der Werkstatt stehen? Genau, meinte er, die… Aufwändiger dagegen sollten die zwei seitlichen Wangen, äh: die Docken beim Kniebankerl werden. Die hätten sie formal an die der Kirchenbänke angepasst und die vorgearbeiteten Vollholzelemente zum Schnitzen gegeben. Ui – das wäre interessant, meinte ich, und der Simmerl lachte nur. Habe er sich schon gedacht und einen Termin für mich vereinbart. Kurzum: Gemeinsam mit Simmerls Vater Simon Grahamer war ich dann noch in Unterweikertshofen und durfte dem Schnitzer beim Herausarbeiten des Halbreliefs eine Weile über die Schulter schauen. Faszinierend… dieses Zusammenspiel von traditionellem Handwerk und kreativem Kunsthandwerk!