21°C

Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Thursday, 19. July 2018 · 23:19 Uhr
 
 
 

»Die Jugendlichen dürfen mich alle duzen«

Kreisbrandrat Franz Bründler hat ein Herz für die Jungend. Das zeigt er im Regiestuhl-Interview

Mit Katastrophen kennt er sich aus: Franz Bründler ist der oberste Feuerwehrler und Katastrophenschützer im Landkreis Dachau. 2016 wurde er zum Kreisbrandrat gewählt. In diesem Frühjahr musste der 51-Jährige einmal mehr verkünden: Bei der Freiwilligen Feuerwehr brennt es selbst lichterloh: Immer mehr Einsätze, immer weniger Nachwuchs. Was dem 51-Jährigen besonders stinkt: »Viele Menschen rufen bei Lappalien an. Zum Beispiel, wenn im Keller das Wasser zwei Zentimeter hoch steht. Das können auch wir nur mit dem Putzlumpen aufwischen…« Wir haben ihm einige Stichwort-Fragen vorgelegt. Hier sind seine Antworten:

… Freiwillig

Unsere Feuerwehr im Landkreis ist eine Freiwillige Feuerwehr. Für eine ständig besetzte Woche fehlt das Geld. In Dachau ist es etwas anders. Hier besteht das Problem, dass viele der Ehrenamtlichen zur Arbeit pendeln und bei einem Einsatz nicht schnell genug im Feuerwehrhaus sein können. Deshalb hat man nun 13 neue hauptamtliche Stellen beschlossen. Künftig wird das Feuerwehrhaus am Tag mit sechs Hauptamtlichen besetzt sein, abends und am Wochenende mit drei Haupt- und drei Ehrenamtlichen.

Nachwuchs...

Das ist ein schwieriges Thema. 2007 hatten wir noch fast 500 Jugendliche im Nachwuchsbereich. Jetzt sind es nur noch 340, wobei es wohl langsam wieder bergauf geht. Wir hoffen, dass die Kampagnen von Ministerium und Verband und die engagierte Nachwuchsarbeit in unseren Reihen sich auszahlen werden. Einiges versprechen wir uns auch von den drei Kinderfeuerwehren, die es bereits im Landkreis gibt.

Kinderfeuerwehr?

Mit der Novellierung des Bayerischen Feuerwehrgesetztes sind nun auch Kindergruppen ab sechs Jahren Bestandteil der öffentlichen Einrichtung Feuerwehr. Einen richtigen Dienst gibt es da natürlich nicht, die Kinder werden spielerisch an das Thema Feuerwehr herangeführt. Das ist aufwändig genug, denn es braucht qualifiziertes Personal, das sich ehrenamtlich in der Freizeit um die Betreuung kümmert.

Mädchen...

Der Anteil der Mädchen an der Jugendfeuerwehr liegt konstant bei rund 25 Prozent. Von den 339 Jugendlichen im Landkreis sind 79 Mädchen. Wir wünschten, es wären mehr, aber wir freuen uns über alle, die zu uns kommen und bleiben. Das Freizeitangebot für Jugendliche wird ja immer größer. Sportvereine, Musikschulen, aber auch das THW oder das Rote Kreuz ringen gleichermaßen um den Nachwuchs. Hinzu kommt, dass bei den Mädchen das Cliquen-Bewusstsein ausgeprägter ist. Wenn eine kommt, bringt sie ihre Freundinnen mit. Wenn eine geht, sind die anderen auch weg…

Jungendwart...

Ich habe größten Respekt vor der Arbeit unserer Jungendwarte. Sie müssen mindestens vier Jahre bei der Feuerwehr sein, um Jugendwart werden zu können. Solange dauert eine fundierte feuerwehrtechnische Ausbildung und alle erforderlichen Lehrgänge. Die meisten sind deutlich länger dabei, man darf nicht vergessen, dass die jungen Menschen das alles neben ihrer normalen Berufsausbildung oder Arbeit bewältigen müssen.

Zusammenhalt...

Die wichtigste Komponente in der Feuerwehr. Denn im Einsatz muss man sich zu jeder Zeit blind aufeinander verlassen können. Deshalb versuchen wir von Anfang an, das Wir-Gefühl zu fördern und zu stärken. Dazu gehören Ausflüge wie Zeltlager oder Übungen im Feuerwehrhaus mit Übernachtung, oder ein zünftiges Mittagessen nach jeder Übung. Ich versuche, so oft es geht vor Ort zu sein und zu motivieren. Die Jugendlichen dürfen mich alle duzen, das schafft Nähe und Vertrauen.

Tradition und Heimatverbundenheit...

Beides ist ganz wichtig. Oft sind die Eltern oder älteren Geschwister schon bei der Feuerwehr, manchmal ganze Generationen. Mein Vater war Kommandant im Landkreis München, mein Bruder war auch bei der Feuerwehr, wenn auch nicht so lange wie ich. Mein Sohn wollte auch, aber damals war kein Platz frei und da ist er zur Wasserwacht. Auch das Heimatgefühl spielt eine große Rolle, vor allem am Land. Wer da aufwächst, wächst mit der Nähe zur Feuerwehr auf. In Gemeinden mit starkem Zuzug geht das verloren.

Rauchwarnmelder...

Befürworten wir. Nicht nur, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist, jedes Schlaf- und Kinderzimmer sowie die Flure zu den Aufenthaltsräumen damit auszustatten. Sondern weil sie sinnvoll sind. Es gibt zwar viele Fehlalarme, das liegt aber vor allem an der mangelhaften Qualität der Rauchmelder. Man sollte daher unbedingt zum Fachhandel gehen und sich beraten lassen.

Zigaretten...

Zigarettenrauch lässt die Rauchmelder auslösen. Trotzdem sollte man sie auf keinen Fall abkleben, dann werden sie unwirksam. Lieber ins Freie gehen. Aber Vorsicht: Auch weggeworfene Kippen können Brände auslösen.

Autobahn...

Allein im Jahr 2017 mussten wir 1.300 Mal technische Hilfe leisten, zum Beispiel Autos aufschneiden und Fahrbahnen reinigen. Fast täglich müssen die Feuerwehren an den Anschlussstellen der Autobahn A 8 in Odelzhausen, Sulzemoos, Feldgeding zu schweren Unfällen ausrücken. Die körperliche und psychische Belastung für die Einsatzkräfte ist jedes Mal enorm, wenn sie Menschen befreien oder Schwerverletzte versorgen müssen. Generell muss man sagen: Die Belastungsgrenze ist erreicht.

Finanzierung...

Vom Landrat und Kreistag bekommen wir eine großzügige Unterstützung. Aber das reicht noch nicht. Durch den verstärkten Zuzug haben wir deutlich mehr Einsätze als früher und damit auch mehr Verschleiß, außerdem müssen immer mehr gesetzliche Vorgaben erfüllt werden. Wir brauchen deshalb eine noch bessere finanzielle Ausstattung. Hier muss die Politik in München und Berlin tätig werden.

Photovoltaikanlagen...

Beim Löschen von Gebäuden mit Photovoltaikanlagen sind die Feuerwehrleute in Gefahr, in Verbindung mit Löschwasser von Stromstößen getroffen zu werden. Es gibt aber ein geeignetes Abschaltelement. Außerdem wäre es für die Einsatzkräfte sinnvoll, eine Photovoltaikanlage von außen zu kennzeichnen. Mehr Informationen dazu erhält man über die Webseite des Landratsamts Dachau, Fachbereich Brandschutz. Wer mehr über die Feuerwehr im Landkreis wissen möchte, kann sich beim Kreisfeuerwehrverband informieren: kfv-dachau.de/index.php?page=307