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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Friday, 20. April 2018 · 18:42 Uhr
 
 
 

Ein Zeichen gegen Ausgrenzung

FOS Karlsfeld darf sich »Schule ohne Rassismus« nennen

Luftballons als sichtbares Zeichen: »Wir sind bunt und jeder soll es sehen«. (Foto: Andreas Förster)

In der Fachoberschule Karlsfeld lernen viele junge Menschen mit Migrationshintergrund. Davon kann man sich in einem Video der Elftklässler Benedikt Schäffler und Felix Reichert überzeugen, in dem Schülerinnen und Schüler aus verschiedensten Ländern in ihrer Muttersprache einen berühmten Satz in die Kamera sprechen: »Nein zum Rassismus“« das Statement gegen Diskriminierung in der Fußball Champions League. Sie sagen es auf Rumänisch, Arabisch, Tschechisch, Portugiesisch, Französisch, Türkisch, Litauisch, Spanisch, Slowenisch, Englisch, Österreichisch und Bayrisch - mit ihrem eigenen Twist: »Rassismus? So was meng ma überhaupts ned…«. Eine schöne Idee und Teil eines Projekts, um sich künftig »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« nennen zu dürfen.

Wer sich dem größten Schulnetzwerk Deutschland anschließen will, hat drei Bedingungen zu erfüllen: Mindestens 70 Prozent aller Schüler und Lehrer an der Schule müssen eine Selbstverpflichtung unterschreiben, sich aktiv gegen jede Form von Diskriminierung zu wenden. Darüber hinaus muss eine Courage-Schule mindestens einmal im Jahr einen Projekttag zum Thema durchführen und einen Paten finden, der die Schüler in ihrem Bemühen unterstützt.

Die Idee dazu hatte die Klasse 12 Sa gemeinsam mit ihrem Deutsch- und Sozialkundelehrer Peter Hatzl (31). Schüler Luis Steiner und seine Mutter Marion brachten ihren Nachbarn aus Obermenzing, Benedikt Weber (43), dazu, sich als Pate zur Verfügung zu stellen. Der populäre TV-Moderator (»Art Attack« im Disney Channel) warnte die Schüler in seiner launigen Ansprache während der festlichen Titel-Verleihung am 30. Juni (augenzwinkernd): »Lasst’s euch ned erwischen, dass ihr dieses Engagement wieder aus eurem Leben verdrängt«.

Schulleiter Karl-Heinz Semsch sprach über die vielen Gesichter von Ausgrenzung im Alltag, zum Beispiel durch Mobbing oder abfällige Kommentare. Der Münchner Regionalkoordinator, Michael Schneider-Velho, brachte ein Schild mit, das die FOS Karlsfeld nun sichtbar als »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage« ausweist. Auch er mahnte: »Jeder neue Jahrgang muss sich dafür einsetzen, dass dieses Schild nicht nur Fassade ist«.

Dazu wurden im Foyer des Schulhauses Papierschiffchen gefaltet, mit Slogans wie »Respekt« und »Toleranz« beschriftet und an eine PIN-Wand geheftet als nachhaltiges Zeichen, dass alle im selben Boot sitzen – und auf dassele Ziel hinarbeiten: Das Fachabi zu bestehen.

Bunte Luftballons flogen schließlich von der Zugspitzstraße Seite an Seite in den Himmel – nach dem Motto: Wir sind vielfältig, wir sind bunt, und das sollen alle sehen.

Aktuell gehören bundesweit rund 2.400 Schulen der 1995 vom Berliner Verein Aktion Courage nach belgischem Vorbild ins Leben gerufenen Initiative »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« an. Damit ist es das größte Schulnetzwerk Deutschlands. Weiterführende Informationen erhält man im Internet unter: www.schule-ohne-rassismus.org/courage-schulen/wege-zur-courage-schule/.