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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 9. December 2018 · 22:23 Uhr
 
 
 

Ehemaliger Franziskuswerk-Laden: Gebäude steht zum Verkauf

Ein Nachfolger für den letzten Nahversorger in der Altstadt wurde noch nicht gefunden

Der ehemalige Grundversorgungsladen des Franziskuswerks steht seit August 2017 leer (Foto: A. Förster)

Wer ein bisschen »Kleingeld« übrig hat, dem bietet sich nun die seltene Gelegenheit, ein historisches Haus in der Dachauer Altstadt zu erwerben. Für 2,8 Millionen Euro bietet Zenker & Günsch Immobilien das markante, ziegelrote Wohn- und Geschäftshaus an, in dem bis letzten August die Altstadt-Filiale der Franziskuswerk-Läden beheimatet war. Viele Bewohner der Altstadt bedauern immer noch, dass bis jetzt noch kein Nachmieter gefunden werden konnte. Obwohl sich sowohl die Hausverwaltung Stegmann München-Grünwald als Eigentümerin darum bemüht als auch das Franziskuswerk Schönbrunn und die Wirtschaftsförderung der Stadt Dachau. Das Franziskuswerk ist noch bis Februar 2019 Mieter der gut 350 Quadratmeter großen Verkaufs-/Lagerräume im Erdgeschoss sowie einiger Kfz-Stellplätze im Untergeschoss. Bei einer Kaltmiete von 3.750 Euro monatlich hat noch niemand Neues angebissen.

Das Haus stammt aus dem Jahr 1850, im Jahr 1979 hat man es komplett renoviert, 2003 eine neue Heizung eingebaut und 2016 das 370 Quadratmeter große Obergeschoss umgebaut. Dort befinden sich langfristig vermietete Kanzlei- und Büroräume. Einer der Mieter ist der ehemalige CSU-Stadtrat Dr. jur. Dominik Härtl, er teilt sich die Kanzleiräume mit Jürgen Köpf und dem ehemaligen Dachauer Oberbürgermeister, Peter Bürgel. Härtl zu den Verkaufsplänen: »Ich habe davon gehört, bin da aber total entspannt. Wir sind davon nicht unmittelbar betroffen«. Auch die 265 Quadratmeter große doppelstöckige Maisonette-Dachgeschoss-Wohnung ist langfristig vermietet. Es handele sich nicht um einen Notverkauf, versichert eine Mitarbeiterin der Hausverwaltung Stegmann. Vielmehr hatte es bereits vor der Ausschreibung im Portal von Zenker & Günsch Dachau einen Kauf-Interessenten gegeben, der sein Angebot aber mittlerweile wieder zurückgezogen habe.


Es zieht keine Shisha-Bar in den Laden

 

Auch für die Ladenfläche habe es Interessenten gegeben, zuletzt wollte jemand dort eine Shisha-Bar eröffnen. Das habe man aber abgelehnt. Das Ziel sei, eine erfahrenen Kaufmann zu finden, der einen Einzelhandelsladen aufmacht. Man führe dies bezüglich Gespräche, doch das brauche Zeit. Gerade die Altstadt in Dachau leidet unter einem Mangel an Angeboten des täglichen Bedarfs - abgesehen von den Markständen am Wochenende. Das sagen die Dachauer: »Früher gab es unter dem Kaufhaus Hörhammer einen Lebensmittelladen, der hat auch schon lange geschlossen. Ich verstehe das nicht, die Altstadt braucht doch solche Anziehungspunkte...«, wundert sich Annemarie Lublasser aus Etzenhausen. Ersin Cok vom Friseurgeschäft um die Ecke vermisst vor allem das Brotzeit- und Mittagstischangebot. Albert Soleder aus Dachau-Süd ging immer in den Laden am Kufsteiner Platz, auch dieser fehle ihm. Nikta Hanebuth bestätigt allerdings, dass sie aufgrund des Parkplatzmangels nur selten im Laden zum Einkaufen ging. Auch wenn das Einkaufen dort sehr angenehm war, aber eben leider unpraktisch.

Zweifelsohne haben die schwierige Park- und Anliefersituation am Standort, die kleine Ladenfläche und die in die Jahre gekommene Kühlung innerhalb der Räume viele Interessenten abgeschreckt. Dennoch sei alles da, betont der Leiter des Geschäftsbereichs Organisation des Franziskuswerks, Peter Heiß: Parken könne man in der nahe gelegenen Altstadtgarage und es gebe genug Kaufkraft. Diese werde sich noch deutlich steigern, wenn die neuen Wohnungen im ehemaligen Rössler-Anwesen, dem Hörhammerbräu und der Koschade-Klinik bezugsfertig seien.

Das Franziskuswerk Schönbrunn hatte sich im Herbst 2016 entschlossen, seine beiden Einkaufsläden in Dachau-Süd und der Altstadt zu schließen, da die Geschäftsentwicklung jahrelang defizitär war. Verhandlungen mit Supermarktketten wie Rewe, den CAP-Märkten, deren Personal zur Hälfte aus behinderten Menschen besteht, oder selbständigen Kaufläuten führten bisher nicht zum Erfolg.