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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Friday, 20. April 2018 · 14:28 Uhr
 
 
 

Mir san de Eisenbiaga

… sagen die Utes-Brüder aus Karlsfeld

Klingt schon martialisch, wenn sich die Utes-Brüder Ralf und Reiner selbst als »Eisenbiaga« bezeichnen. Scherzhaft zwar nur, ja, aber in der Kernaussage korrekt. Als ich Anfang der Woche auf ihrer Homepage (Sehr schöne Arbeitsbeispiele auf www.utes-gmbh.de – Anm. d. Red.) dies las, musste ich schmunzeln. Denn sofort entstand in meinem Kopf das Bild eines muskulösen Jahrmarkts- oder Zirkusartisten, der dem Publikum zugewandt, Schweiß tropfend unter Trommelwirbel, eine Eisenstange krümmt. Gut, kräftig gebaut sind sie zwar, was wohl auch so sein muss, aber sie arbeiten nicht zur Schau gestellt und nicht für tosenden Applaus. Sie sind Schlosser genauer: Bau- und Kunstschlosser. Und – Profis ihres Fachs, über die ich seit vielen, vielen Jahren ja immer wieder berichte. Ist jedes Mal spannend, was ich da im Vorfeld zu sehen bekomme. Nicht nur gebogenes Eisen in Form von Ziergittern für Fenster und Türen oder ganze Zaunanlagen. Nein, in Kombination mit anderen Materialien wie Glas und Holz auch moderne Treppengeländer und Handläufe, Wintergärten und Terrassenüberdachungen und, und, und. Mal haben wir uns hierzu in ihrer Werkstatt getroffen, am Richttisch beim Biegen und Schweißen, mal auf einer ihrer jeweils aktuellen Baustellen. Tja, und diesmal sowohl als auch. Verabredet war ich mit Reiner Utes, der mir zunächst mal in der Fertigungshalle eine monströse Treppenkonstruktion zeigen wollte. Aus feuerverzinktem Stahl. Die von ihm beschriebenen Beläge aus Hartholz musste ich mir vorstellen, doch die Unterkonstruktion, die von einer großen, nein sehr großen Terrasse nach drei Seiten, ohne Geländer, in den Garten führen wird, allein war schon beeindruckend. Reiner Utes lächelte, als er mein Staunen bemerkte. Und ja, wegen der ungewöhnlichen Ausmaße gab er mir sogar Recht, doch von der Arbeit her sei das täglich Brot, meinte er nur. Genauso wie die Balkonkonstruktion, die ich wenige Fahrminuten später in einem Privatgarten zu Gesicht bekommen sollte. Fast das gesamte Utes-Team war dort damit beschäftigt, die vorgefertigten Bauteile zusammenzusetzen, mit Hilfe eines Krans und Muskelkraft hoch zu hieven und millimetergenau zu montieren. Eine Schweiß treibende und zeitraubende Tätigkeit, wie ich erfahren sollte. Reiner Utes’ Bruder Ralf organisierte die Tätigkeiten, die schon aufgrund der Lage und des beengten Verhältnisse des Grundstücks Hand in Hand gehen mussten. Und Reiner Utes’ Sohn Michael, der den Kran bediente musste ebenfalls aufpassen wie ein Haftelmacher: Nur Zentimeter am Nachbarhaus vorbei hatte er die einzelnen Bauteile vom Lkw in den Garten gehoben. Und während ich dem Utes-Team über die Schulter schauen durfte, bugsierte er eine der Rahmenkonstruktionen so hoch, dass die Mitarbeiter die pulverbeschichteten Stahlpfosten aufstellen und verschrauben konnten. In etwa konnte ich währenddessen erahnen wie die Balkonanlage - die mittlerweile sicherlich fertig montiert ist – aussehen wird: Auf den Eckpfosten, die auf der ebenerdigen Terrasse stehen, entsteht ein Balkon, begehbar von den Räumlichkeiten im ersten Stock, und darüber ein zweiter Balkon, benutzbar für die Bewohner im kürzlich erst ausgebauten Dachgeschoss. Ah… zweistöckig also… nicht gerade alltäglich… Sie hätten hier mit einem Statiker zusammengearbeitet, erklärte mir Reiner Utes noch, während er mir am Eingang des Hauses noch was zeigte: eine in die Wand integrierte Briefkastenanlage. Briefkästen, Zeitungsfach, Klingeln et cetera… ja, okay? Sei ebenfalls eine Utes-Arbeit, versicherte er mir schmunzelnd, und exklusiv: individuell, nach Kundenvorstellungen entworfen und gearbeitet.