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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 22. April 2018 · 10:21 Uhr
 
 
 

Leserbrief

»Neue Eskalationsstufe«/Bericht zum Tiefen Graben

Ein Erklärungsschild des Landratsamts (LRA) zur Nutzung eines privaten Fußwegs von Dachau zum Karlsfelder See ist von einem »Wutbürger« zerstört worden. Der Sprecher des LRA befürchtet jetzt, dass die Privatgrundbesitzer diesen Weg »irgendwann ganz auflassen könnten und ihn sogar zurückbauen, wenn die Proteste und vor allem die Randale nicht bald ein Ende haben«. Das klingt verständlich.

Wo Privatpersonen als Grundstücksbesitzer im Recht sind, muss dieser Rechtsanspruch geschützt werden, mit den Mitteln des Rechtsstaates. Das ist klar. Aber man stellt sich die Frage: Warum müssen Privatwegebesitzer ihre Wege der erholungssuchenden Allgemeinheit offen halten, damit man zwischen Dachau und Karlsfeld die Mooslandschaft erwandern kann? Gibt es keine öffentlichen Wege? Das Landesentwicklungsgesetz und der Regionalplan sagen mit keinem Wort, dass die Kommunalpolitik ihrer Bevölkerung die Landschaftsräume mit Hilfe von Privatwegen zugänglich machen soll. Gilt dieser Grundsatz nicht im Dachauer Moos?

Der Blick auf die Landkarten zeigt: Offensichtlich bevorzugt unsere lokale Politik schon seit Jahrzehnten riegelförmige Strukturen großer Flächennutzungsbestandteile: langgezogene Kleingartenanlagen, Gewerbegebietsriegel, Sportanlagen und vor allem große Autostraßen. In der Regel sind diese Großanlagen an ihren Rändern drahtvergittert und damit nicht öffentlich durchlässig. Und für die dazwischenliegenden Freiräume betreibt die Politik keine öffentliche Erschließung mit einem durchgängigen Fußwegenetz. Zwar gibt es kilometerlange Radwege direkt neben Bundes- und Staatsstraßen, aber das kann Erholungssuchende nicht anlocken. Man sucht sich ruhige Schleichwege abseits des Lärms. So entsteht der Eindruck, dass die raumplanerische Entwicklung im Dachauer Moos dem Wirken der politischen Gremien völlig entglitten ist. Ein Privatwegenetz ist doch kein Ersatz für ein öffentliches Wegenetz.

Bürgergruppen haben in konstruktiver Weise versucht, die Politik auf das Fehlen einer zukunftsorientierten Freiraumplanung im Dachauer Moos hinzuweisen. Vor zehn Jahren hat eine Dachauer Gruppe unter dem Namen »Thementisch Umwelt-Natur-Energie« ein Freiraumkonzept für die Entwicklung des Dachauer Mooses der Stadtpolitik vorgelegt (nachlesbar unter Planung Grün-Blau). Dieses Konzept sieht den Schutz der verbliebenen natürlichen Gegebenheiten, die Aufwertung ökologisch wichtiger Lebensräume und die Erschließung der Naherholungsflächen durch Wanderwege in einem sachbegründet vorgeschlagenen Netzwerk zwischen Gröbenbach und Schwarzhölzl vor. Leider hat es der Dachauer Stadtrat nicht geschafft, diese Freiraumentwicklungsziele in eine amtliche Flächennutzungsplanung zu übertragen.

Dann hat ein Naturschutzverein in den letzten acht Jahren zweimal angeregt, im vernachlässigten Erholungsraum Dachauer Moos die wertvollsten Landschaftsbestandteile für die Zukunft zu sichern (Ausweisung eines Landschaftsschutzgebiets) und dann auf dieser Basis die nötigen Verbesserungen als Lebens- und Erholungsraum zu planen und zu verwirklichen. Beide Anträge sind am Widerstand der Landkreispolitik gescheitert.

Muss man sich noch wundern, dass bezüglich der Erwartungen der Einwohner an ihren Lebensraum ein Riss durch die Bevölkerung geht? Wo Spannungen bestehen, können Brüche auftreten. Beim Thema »Schranke am Tiefengraben« wird ein Mikroriss sichtbar. Wie reagiert die Politik? Das LRA teilt der Bevölkerung mit, dass der Verlust des privaten Wegenetzes droht. Ist das wirklich der angemessene Zukunftsausblick der gewählten Volksvertreter? Verweigerung des Agierens, Starren auf Reaktionen?

Otto Mayrhofer, Karlsfeld