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Sunday, 22. April 2018 · 10:21 Uhr
 
 
 

Erste Bilanz nach 100 Tagen Dienst

Managerin im Kinderhausalltag der Schatzinsel

Elisabeth Pfaff in der »Schatzinsel« mit Esin, Antonia und Sonja. (Foto: BRK)

Anfangs ist der Kinderhausalltag auf sie eingestürmt, doch mittlerweile schätzt sie den vielseitigen und turbulenten Alltag. Seit September 2017 leitet Elisabeth Pfaff die BRK-Kindertagesstätte »Schatzinsel« in Karlsfeld. Mit sieben Gruppen und rund 140 Kindern ist die »Schatzinsel« die größte Kinderbetreuungseinrichtung des BRK Kreisverbandes Dachau.

Das Haus wurde im September 2016 eröffnet und wird von Kindern aus rund 20 Nationen besucht. Die 30-jährige Elisabeth Pfaff übernahm die Leitung der »Schatzinsel« von Kathrin Ferland, die im BRK-Kreisverband zur Referatsleiterin Kindertagesstätten berufen wurde. Sie studierte Politikwissenschaften und Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und arbeitete nach dem Studium zwei Jahre für die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. Das letzte Jahr verbrachte sie in der Ukraine als Lektorin an einer Universität in der Hauptstadt Kiew. Als Stipendiatin eines Weiterbildungsprogramms für Berufseinsteiger führte sie Bildungsprojekte mit Studierenden durch und genoss mehrere Weiterbildungen im Bildungs- und Projektmanagement.

Aufgrund ihrer positiven Erfahrungen, die sie dort in der Bildungsarbeit mit jungen Studierenden machte, fiel ihr die Entscheidung für die Leitung der »Schatzinsel« leicht. Gerne stellt sie sich dieser anspruchsvollen Aufgabe, denn nicht nur die Lage der Kindertagesstätte mitten im Karlsfelder Gewerbegebiet ist ungewöhnlich, sondern auch, dass mehr als 60 Prozent der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund stammen. Nach rund 100 Tagen im Dienst kann sie erste Eindrücke und Erfahrungen mitteilen.

»Ich bin begeistert von der Arbeit meiner Kolleginnen. Sie sehen jedes Kind als etwas Besonderes und versuchen dieses, bestmöglich zu fördern«, sagt sie. Die Vielfalt berge vor allem die Chance, Toleranz zu üben und andere Kulturen kennenzulernen. »Wir begreifen das als Schatz. Bei Festen beispielsweise bringen die Eltern landestypisches Essen mit, von syrischen Köstlichkeiten bis zu Teigtaschen mit Kräutern aus dem vorderasiatischen Raum«, so Elisabeth Pfaff. Die Herausforderung in der Arbeit liegt insbesondere darin, die eigene kulturelle Brille abzulegen. So dürften bestimmte Phänomene nicht automatisch als Defizit wahrgenommen werden, sondern könnten auch als fehlende Erfahrung bewertet werden. »Vieles, was für uns selbstverständlich ist, muss ein Kind aus anderen Kulturkreisen nicht unbedingt bereits gesehen haben«, so Pfaff.

Eine besondere Herausforderung liege auch bei Kindern aus Familien mit Fluchterfahrung. Hier können neben sprachlichen Barrieren auch Themen wie der Umgang mit Trauma wichtig werden. »Damit müssen wir psychologisch sensibel umgehen und sehr auf die Bedürfnisse der Kinder schauen«, so Pfaff. Ihre Aufgaben liegen weniger in der direkten Arbeit mit den Kindern, sondern eher im Management und der Mitarbeiterführung. Bei ihren 25 Mitarbeiterinnen trifft sie auf Unvoreingenommenheit und Offenheit. Das sei sehr wichtig, betont Pfaff, denn ein so großes Haus funktioniere nur, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen.

Die Entscheidungsfreiheit, die der BRK-Kreisverband in der täglichen Umsetzung der Konzepte ermöglicht, erlaubt eine große pädagogische Vielfalt. Hinzu kommt ein fachliches Netzwerk, auf das in speziellen Fällen zurückgegriffen werden kann, beispielsweise bei Entwicklungsverzögerungen. »Das BRK als Arbeitgeber fördert die Diversität. Wir haben dadurch einen größeren Entscheidungsspielraum, der unserer Arbeit eine viel größere Nachhaltigkeit gibt«, betont Elisabeth Pfaff. Durch regelmäßige Fortbildungen und Coaching sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer auf dem neuesten Stand. »Und das kommt unseren Kindern zugute«, so Elisabeth Pfaff.

Zum Ziel hat sie sich gesetzt zu festigen, was schon besteht und herauszufinden, wo Neues entstehen kann. Der Fokus soll dabei auf der Sprachförderung liegen. Ein interkulturelles Lernzentrum mit zusätzlichen Angeboten für Eltern und Kinder wäre ihr Wunsch für die Zukunft, zumal die Belegungszahl noch nicht ganz ausgeschöpft ist. In der »Schatzinsel« ist Platz für maximal 161 Kinder. Elisabeth Pfaff gab zur Kenntniss: »Kitas haben heute die gesellschaftliche Aufgabe einer Bildungseinrichtung«.