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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Friday, 20. April 2018 · 18:41 Uhr
 
 
 

Geadeltes Handwerk

Schreiner im Schloss Jetzendorf

Alte Werte bewahren, neue schaffen… hat sich die Bau- und Möbelschreinerei Grahamer auf die Fahne geschrieben. Bereits in der dritten Generation, wie mir Simon »Simmerl« Grahamer erst kürzlich erzählte. Und vielleicht bald in der vierten dann auch, erfuhr ich, während er lachend auf seinen Auszubildenden zeigte: seinen Sohn Simon, der mit der Holzverzinkung, einem Übungsstück, vielleicht für eine Schublade, zugange war. Schön zu sehen, doch war dies nicht der Grund, warum mich der Simmerl sprechen wollte. Er weiß ja seit Jahren, dass ich liebend gern Werkstattluft schnuppere. Und auch, dass mich ganz besonders Instandhaltungsarbeiten in Sachen Holz neugierig machen. So hatte ich ja, nur beispielsweise, mal über ein Sanierungsprojekt in Eisenhofen berichtet, bei dem die Grahamers für die Erneuerung von Fenstern und Fensterläden gebraucht wurden. Streng nach den Richtlinien des Denkmalschutzamtes, versteht sich. Auch die Arbeiten im Wirtshaus am Erdweg habe ich mitverfolgt, wobei mich dort vor allem die Restaurierung der historischen Eingangstür interessiert hat. Und als er mich Anfang des Jahres darüber informierte, dass sie aktuell für verschiedene Erhaltungs- und Ergänzungsarbeiten im Schloss Jetzendorf beauftragt wurden, hat mich das nicht wirklich überrascht. Qualitätsarbeit setzt sich halt durch und: spricht sich herum. Trotzdem war ich gespannt wie ein Flitzebogen, als ich hörte, dass der Eigentümer, Sebastian Freiherr von Freyberg, damit einverstanden war, dass ich den Fortgang der Schreinerarbeiten mit der Kamera begleiten dürfe. So kam es, dass ich in den letzten Monaten mehrmals im sogenannten Jetzendorfer Hochschloss war – in dem Trakt, der in drei Abschnitten generalsaniert wird. Und bald schon wieder das Schmuckstück sein wird, das es einmal war. Gut, ja. Jedenfalls hatte ich dadurch die Gelegenheit... mitzuerleben wie eine neue, steile Eichentreppe gefertigt und eingebaut wurde… worauf es ankommt, wenn uralte Türen, die aus Brandschutzgründen stilmäßig erneuert werden müssen… weshalb zwei seitliche Türfüllungen aus Holz und eine obere, einem Oberlicht nicht unähnlich, in Glas gefertigt werden sollte… an welcher Stelle sich einer der beiden Vollholz-Handläufe als ziemlich verzwickt zu formen herausstellte… Und genau da kam Simon Grahamer sen. ins Spiel. Er hatte nicht nur gelernt, wie die Biegung eines Handlaufs geplant und der Treppenneigung angepasst wird. Nein, er hatte früher selbst einige von Hand gefertigt und somit die meiste Erfahrung und Übung darin. Und, obwohl mir das Schreiner-Duo das Ganze ausführlich erklärt hat, auch an verschieden Mustern und einem extra gebauten Modell im Maßstab 1:1, erschien mir dieser Teil des Handwerks, nein: Kopf- und Handwerks, so gut wie nicht machbar. Sie haben’s gemacht. Und zwar perfekt, denn als ich später den betreffenden Handlauf mit den Händen »angeschaut«, seinem Verlauf um die Mauerecke nachgespürt habe, fühlte es sich selbstverständlich und harmonisch verlaufend an. Ob eine am Computer geplante und entsprechend gesteuerte Fräsmaschine ein ähnliches Ergebnis hervorgebracht hätte – ich weiß nicht. Ach ja, neu für mich war auch die Anbringung der etliche Meter langen Handläufe, an den Wänden links und rechts der Eichenstiege: Um die korrekte Neigung, parallel zum Stufenverlauf, zu markieren, haben die Grahamers und Geselle Alex Laser eingesetzt. Pfiffig, fand ich, denn entlang der feinen roten Linien war es erst möglich, die filigran wirkenden, fast nicht wahrnehmbaren Edelstahl-Wandbefestigungen punktgenau zu platzieren.

Punktgenau… Ja, so arbeiten die Eisenhofener Schreinermeister. Doch immer auch mit ner Prise Pfiffigkeit und, vor allem, mit großer Leidenschaft für ihr Handwerk...