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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Friday, 19. October 2018 · 17:11 Uhr
 
 
 

»Am meisten freuen wir uns auf unsere Arbeit«

Im Gespräch mit den Ärzten Walter, Thomas und Stefan Skoruppa

Die drei Doktoren Skoruppa (von li) Stefan, Thomas und Walter, freuen sich mit ihrem Team auf die Arbeit in den neuen Praxisräumen. (Foto: ek)

Am Montag, den 6. August 2018, werden Baulärm, Schmutz und Umzugsstress vergessen sein, ab dann können Walter, Thomas und Stefan Skoruppa ihre Patienten im eigenen neuen Ärztehaus empfangen. Und dann wird auch die sehr beengte Situation in der alten Praxis, die nicht nur den drei Doktoren, sondern auch Team und Patienten einiges abverlangte, vergessen sein.

Schon 1979 kam der junge Landarzt Walter Skoruppa nach Jetzendorf, die erste Praxis wurde im Erdgeschoss der Zeppelinstraße 1 eröffnet, in den oberen Räumen wohnte er mit seiner Frau Theresa und den gemeinsamen Kindern. 1981 mietete Skoruppa ein Einfamilienhaus auf der anderen Seite des Prielbergs in der Johannesstraße 37: ein Wartezimmer, zwei Behandlungsräume, Labor – mehr an Platz stand nicht zur Verfügung.

Spätestens als feststand, dass sich auch die Söhne Thomas und Stefan in Jetzendorf niederlassen und in die Praxis einsteigen werden, reifte der Plan, ein eigenes Ärztehaus zu bauen, das den Anforderungen an eine moderne Landarztpraxis gerecht wird. Nachdem ein Standort im Jetzendorfer Gewerbegebiet verworfen wurde, konnten die Skoruppas das Grundstück unter dem ehemaligen Prielwirt kaufen. In Zusammenarbeit mit Eduard Storf, Ludwig Pfleger und über 20 ansässigen Handwerksbetrieben und Firmen entstand in nur zwei Jahren Bauzeit das neue imposante Gebäude an der Aichacher Straße.

KURIER (an Walter Skoruppa): 2011 hast Du gesagt: »Ich werde noch drei Jährchen arbeiten und danach meine Freizeit genießen«. Das hat nicht so ganz geklappt oder?

Walter Skoruppa (lacht): Das hat ganz und gar nicht geklappt, aber zu diesem Zeitpunkt war ich ganz sicher, dass ich aufhöre, weil ich doch schon etwas in die Jahre gekommen war und man lebt nur einmal. Ich hab mich natürlich sehr gefreut, dass Stefan und Thomas beide entschieden, die Praxis weiterzuführen und darum hab ich gedacht, ich arbeite sie noch ein und nach kurzer Zeit bin ich ein freier Mann.

KURIER: Haben die Söhne im neuen Gebäude ein Behandlungszimmer für Dich reserviert oder wird es jetzt ernst mit dem Abschied in den Ruhestand?

Walter Skoruppa: Hier ist kein spezielles Zimmer für mich vorgesehen, weil ich jetzt wirklich, wirklich leiser treten will. Ich hab den Wunsch geäußert, dass ich nur noch Hausbesuche machen möchte. Hausbesuche kann man sich besser einteilen, da ist nicht dieser Zeitdruck, wie man ihn in der normalen Sprechstunde hat. Und ich kann besser auf die Leute eingehen und auch mal ein bisserl länger sitzen bleiben. Das hab ich mir zum Ausklang meines »Arztlebens« eigentlich immer gewünscht.

KURIER: Auf welches Hobby, außer Hausbesuche, freust Du Dich noch?

Walter Skoruppa: Hausmusik! Ich bin ja nicht so der sportliche Typ, aber die Musik war und ist immer mein liebstes Hobby und beste Entspannung. Darum freue ich mich darauf, mehr Zeit zu haben für das Klavier- und Cellospiel. Und gerne möchte ich das, so der liebe Gott es erlaubt, noch lange treiben.

KURIER (an Stefan und Thomas Skoruppa): Gönnt Ihr dem Vater, jetzt etwas kürzer zu treten, oder möchtet Ihr auf sein Wissen ungern verzichten?

Stefan/Thomas Skoruppa: Da sind wir tatsächlich im Zwiespalt - es wäre schön gewesen, wenn er noch länger gearbeitet hätte und wir weiterhin auf seine reichen Erfahrungen zurückgreifen könnten. Außerdem hat er uns natürlich schon sehr entlastet im Praxisalltag. Aber natürlich gönnen wir ihm von Herzen seinen wohlverdienten Ruhestand.

KURIER: Was wird sich noch ändern? Verstärkung für die Praxis, die Niederlassung eines Facharztes …

Stefan/Thomas Skoruppa: Also einen Facharzt in die Praxis zu nehmen war nie geplant, das funktioniert nicht, dazu ist das Einzugsgebiet zu klein. Nach einer Verstärkung durch einen weiteren Allgemeinarzt suchen wir schon seit längerer Zeit und wir sind guter Dinge, dass es bald klappen wird.

KURIER: Was war das Schwierigste am Bauprojekt?

Stefan/Thomas Skoruppa: Erstmal zu wissen, was man genau wie haben will. Man muss sich vorher im Klaren werden, wie die Abläufe im neuen Haus sein werden, obwohl man es nicht ausprobieren kann. Einfach alles ein bisserl größer machen funktioniert nicht. Eine Riesenherausforderung war natürlich, das Bauprojekt neben der Arbeit zu stemmen. Das war schon eine große Belastung: in jeder freien Minute über den Neubau nachzudenken, zu organisieren oder sich zu jeder möglichen und umöglichen Zeit mit Eduard Storf und Ludwig Pfleger auszutauschen. Andere lassen schlüsselfertig bauen, das wollten wir nicht. Einerseits aus Kostengründen, andererseits wollten wir bei jedem Prozess dabei sein und sicher gehen, dass alles so wird, wie wir uns das vorstellen. Und wie immer gibt es eine Kluft zwischen dem Visionär und den Praktikern - und wir in der Mitte, die versuchen zusammen mit Ludwig Pfleger alles ins Gleichgewicht zu bringen.

KURIER: Worauf freut Ihr Euch, was wird das Schönste im neuen Haus?

Stefan/Thomas Skoruppa: Das Arbeiten! Bei uns sind die Patienten teilweise bis zur Straße angestanden, ein riesen Stress, wenn du so »im Stau« stehst. Das wird sich alles entzerren, das ganze Arbeiten entspannter werden. Auch für unsere Helferinnen, die ganz schön viel aushalten mussten die letzten Jahre. Patienten und Praxisteam können wir nur Danke sagen, dass sie uns trotz allem so lange treu geblieben sind.

KURIER: Die wichtigste Frage zum Schluss: Gibt‘s eine zünftige Einweihungsfeier?

Stefan/Thomas Skoruppa: Also ein Termin steht noch nicht fest, aber wir planen Anfang September, wenn sich alles eingespielt und wir uns ein bisserl erholt haben, eine Einweihungsfeier mit einem Tag der offenen Tür zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Zum Schluss möchten wir uns noch bei allen bedanken, die mit uns an diesem großartigen Projekt mitgearbeitet haben. Zu allererst natürlich bei unseren Ansprechpartnern in allen (Not)Lagen, Eduard Storf und Ludwig Pfleger. Bei Baron Sebastian von Freyberg, der durch den Verkauf des Grundstückes an uns den Neubau hier ermöglichte. Bei all unseren Nachbarn, die klaglos die Baustelle ertragen haben und - ganz wichtig – bei den vielen Handwerkern aus unserer Region, die alle Arbeiten pünktlich, sorgfältig und zuverlässig ausführten.

Danke für das Interview und auch WIR vom KURIER wünschen viel Freude und Erfolg im neuen Haus.