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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Sunday, 18. August 2019 · 05:16 Uhr
 
 
 

Ökologische Heckenpflege

Mit schwerem Gerät im Einsatz für Artenvielfalt

Pflege-Arbeiten in Hilgertshausen-Tandern. (Foto: privat)

Traditionell ist der Winter ja die Jahreszeit für Gehölzpflege aller Art. Auch der Landschaftspflegeverband Dachau e.V. widmet sich in der Zeit zwischen Anfang Oktober und Ende Februar diesem Thema, vor allem da sich damit viel Gutes für die Biodiversität erreichen lässt. Hecken und Feldgehölze waren früher weitaus häufigere Bestandteile unserer Agrarlandschaft als heute. Viele wurden im Zuge der Rationalisierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft, wie zum Beispiel den Flurbereinigungen, beseitigt. Und auch bestehende Hecken haben ein schweres Leben, denn oft blieb ihnen nur ein schmaler Streifen zwischen den Feldern übrig, in dem sie wurzeln können. Ein ganz anderes Problem, dass man zunächst nicht erwartet, ist jedoch heutzutage mangelnde Pflege.

Denn früher gewann man aus Hecken Brenn- und Nutzholz, wobei weite Teile bodennah abgeschnitten wurden, man setzte sie sozusagen »auf Stock«. Was rabiat aussieht, ist bei richtiger Durchführung eine wahre Verjüngungskur für viele Gehölze. Denn Schlehe, Hartriegel und Hasel treiben danach umso vitaler wieder aus, und bilden schon im ersten Jahr Triebe bis zu einer Länge von 1,50 m und manchmal auch mehr. Stehen lassen sollte man hingegen Weißdorne oder wertvolle Obstgehölze, denn diese vertragen so eine Behandlung nur sehr schlecht. Auch ist es wichtig, immer nur Teilbereiche einer Hecke zu pflegen, da sonst auf einen Schlag für ein, zwei Jahre das Biotop für viele Vögel und Wildtiere verschwindet. Wenn man aber differenziert vorgeht, schafft man Strukturreichtum und wertvollen Lebensraum, wodurch wesentlich mehr Arten profitieren als von einem sich selbst überlassenen Gehölzriegel.

Der Landschaftspflegeverband Dachau e.V. befolgt diese Kriterien der ökologischen Heckenpflege und unterstützt die Gemeinden im Landkreis mit Fachwissen und Fördergeldern aus dem KULAP B49, einem Förderprogramm des Freistaats Bayern. So zum Beispiel auch in der Gemeinde Hilgertshausen-Tandern, wo sich am Montag Bürgermeister Markus Hertlein über den Verlauf der Arbeiten ein Bild vor Ort machte und von Sebastian Böhm, Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbandes, die Details der ökologischen Erneuerung einer Hecke in Hanglage westlich von Hilgertshausen erklären ließ.

»Uns als Gemeinde ist es wichtig, auf unseren eigenen Flächen einen Mehrwert für die Natur zu schaffen.«, so Bürgermeister Hertlein. Dabei kommt durchaus auch schweres Gerät zum Einsatz, denn der Stockhieb erfolgt mittlerweile ganz modern mittels Kettenbagger und Fällgreifer. »Wenn man jetzt im Winter die Arbeiten sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass hier im nächsten Jahr wieder etwas wächst. Aber die Erfahrung zeigt, dass diese Methode wunderbar funktioniert und sich nicht nur die Hecke verjüngt, sondern durch ein höheres Strukturangebot deutlich mehr Tiere und Pflanzen in der Hecke eine passende Nische finden«, erklärt Sebastian Böhm.

Damit sich die Gehölze in den gepflegten Bereichen wieder regenerieren können, herrscht nächsten Winter Arbeitsruhe. Erst im Jahr darauf geht es wieder weiter mit der Pflege, damit diese wichtigen Landschaftselemente auch in Zukunft erhalten bleiben.