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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Friday, 14. December 2018 · 01:34 Uhr
 
 
 

Perspektiven schenken

Das Dachauer Haus des Lebens

Schon imposant, der Blick durchs große Tor, den kleinen Hügel hinauf, vorbei an uraltem Baumbestand, hoch zum Schloss Deutenhofen. Na ja, eher ein Schlösschen, ein wuchtiges Haus, als das Bild, das uns der Begriff »Schloss« im Kopf malt. Markant eigentlich nur wegen des durch eine Kuppel bekrönten Erkers. Auch das große Tor gaukelt nur (noch) »Zugang« vor. Denn mangels Zaun deutet ein ausgetretener Pfad, links vorbei, an, dass es eigentlich nur mehr umgangen wird. Ich folgte ihm auf den eigentlichen Weg, acht Tage vor Weihnachten, hinauf durch die kleine Parkanlage, und neugierig. War mit Anja von der Fecht und Diana Scheuer verabredet, die mir schon telefonisch einen Rundgang in Aussicht gestellt hatten. Willkommen im Haus des Lebens, begrüßten sie mich. Aufgeschlossen, lachend und offenbar sichtlich erfreut, dass sich »jemand von der Zeitung« für ihre Arbeit interessiert. Und wie mich die, zudem noch ehrenamtliche, schon interessierte, seit mir der Hebertshausener Gemeinderat Jürgen Schreier von dieser Mutter-Kind-Einrichtung erzählt hatte. Jung, schwanger, schwach… jung, schwanger, verzweifelt… jung, ledig, mit Kind… ohne Familie oder allein gelassen… ihrer Situation nicht gewachsen… So in etwa müsse ich mir die Lebensumstände der jungen Frauen vorstellen, die hier im Haus des Lebens eine Bleibe auf Zeit erhalten. Und so in etwa beschrieben mir auch meine beiden Gesprächspartnerinnen bei einem Becher Kaffee die Voraussetzungen für die Aufnahme in dieses nach dem Konzept zweier Einrichtungen in Offenburg und Freiburg geschaffene Domizil. Wobei sie gleich auch betonten, dass der 2009 als Träger gegründete, gemeinnützige Verein im angemieteten Schloss Deutenhofen jungen Frauen mit ihren Kindern nicht nur ein Dach überm Kopf, eine Herberge bieten will. Vielmehr sei der Aufenthalt der in Zusammenarbeit mit dem Frauennotruf Dachau und über die Jugendämter vermittelten Bewohnerinnen als »betreute Lebensschulung« angelegt. Was nichts anderes bedeute, als dass sie mit Unterstützung von Pädagoginnen und Erzieherinnen gefördert (Details siehe Homepage: www.haus-des-lebens-dachau.de – Anm. d. Red.) und auf ein künftig selbstständig geführtes Leben mit ihren Kindern vorbereitet werden. Das Ganze in sicherer Umgebung und Geborgenheit. 
Das ist Fakt, obwohl die Einrichtung als offenes Haus geführt wird, wie ich erfuhr – bei einer gemeinsamen Runde durch die großzügigen Räumlichkeiten… die kleine Kapelle… die Gemeinschaftsräume… Schön! Wirklich überrascht aber haben mich die Aufgeschlossenheit und Fröhlichkeit, die hier im Schloss spürbar sind. Und ja, nicht nur beim Duo Anja & Diana (im Haus des Lebens wird distanzierte Nähe gepflegt durch Anrede mit Sie und Vornamen). Auch zwei der Mütter, die derzeit hier leben, hatten sich auf meinen Besuch eingestellt und ihre »Einzimmer-Appartements« extra aufgeräumt, um sie mir zu zeigen. Respekt Michelle und Nadine… Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Dankeschön! 
Schon bewundernswert, was der Verein mit seinen beiden Frontfrauen Anja von der Fecht und Diana Scheuer da geschaffen hat und tagtäglich leistet. Nicht zu übersehen war aber auch, dass das Haus des Lebens in Dachau ganz gut Unterstützung brauchen kann. Auch wenn es ein sogenanntes Nonprofit-Unternehmen ist, also nicht auf Gewinn ausgerichtet, benötigt es Geld. Viel Geld und Sachzuwendungen freilich auch. Und, klingelt es jetzt? Merken Sie, worauf ich raus will?Na dann, vergelts Gott…