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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Wednesday, 11. December 2019 · 13:48 Uhr
 
 
 

Weniger ist oft mehr

Der gezielte Einsatz von Farbe

Setzt auf umfassende Beratung und handwerkliche Perfektion: Malermeister Thomas Mayr (Foto: öxler)

Maler sprechen durch Farbe, nicht durch Worte. Ob der deutschstämmige Kunstprofessor Hans Hofmann damit die Künstler oder die Handwerker charakterisieren wollte, ist nicht überliefert. Er könnte aber durchaus Malermeister Thomas Mayr gemeint haben. Viele Worte verliert der Dachauer Malermeister nicht, wenn wir zusammen seine Baustellen besuchen, bevor ich über ihn und seine Arbeit berichte. Also fragen und immer wieder fragen. So auch diesmal. Morgens, kurz nach 8 Uhr, vor knapp zwei Wochen, waren wir in Karlsfeld verabredet. Am Einkaufszentrum rechts, gleich wenn die Schnellstraße von Dachau endet. Er wollte dort noch die Restarbeiten am Penthouse beenden: kleinere Risse verfüllen, überstreichen und damit den neuen Außenanstrich im Farbton, sagen wir mal, Sand-beige abschließen. Er erzählte mir, dass dies hier zwar zu den tagtäglichen Arbeiten im Malergewerbe zähle, die Vorbereitung jedoch relativ aufwändig gewesen sei. Mit einem Kran hätten die Gerüstelemente erst mal aufs Hausdach gehievt werden müssen. Während ich den Weitblick bei strahlender Morgensonne genoss, zeigte er noch auf die anderen Gewerbegebäude im Gelände und meinte, dass sein Team und er hier schon öfter zugange waren. Die Eigentümer seien langjährige Stammkunden… Und offenbar sehr zufrieden, ergänzte ich seinen Satz. Thomas Mayr schmunzelte, nahm den Pinsel zwischen die Zähne und versetzte seine Staffelei. Foto, klick, klick… Gefiel mir das Motiv. Hatten sich das frühe Aufstehen und die Anfahrt schon gelohnt. Fürs Erste. Denn ich sollte an diesem Tag ja noch etwas anderes zu sehen bekommen: auf einer Mayr’schen Baustelle in Hebertshausen, die dem Profi mehr abverlangt habe, als lediglich ein neuer Fassadenanstrich. Gut eine Stunde später, nachdem ich auf dem Weg noch was erledigt hatte, traf ich bei der angegebenen Adresse ein. War nicht zu übersehen in dem Wohnviertel… eingerüstetes Einfamilienhaus… großes Zauke-Werbebanner… davor zwei Zauke-Transporter… Also doch, auch hier eine Fassadenaufhübschung? Wieder schmunzelte Thomas Mayr, der mir schon entgegenkam. Er würde dies hier mehr als Fassadensanierung bezeichnen, meinte er. Denn der bisherige Anstrich sei nicht aus einer Laune der Eigentümer heraus oder aus Altersgründen zu erneuern gewesen, sondern weil der Putz beziehungsweise das dahinter befindliche Mauerwerk Schäden verursacht habe. Das ursprünglich in dezentem Grau und kräftigem Rot gehaltene etwa zehn Jahre alte Haus sei – farblich betrachtet – zu schnell »gealtert«. Spannungen hätten Risse zur Folge gehabt und das Rot sei auf den von der Sonne stärker beschienenen Seiten verblichen. Stimmt! Über eine Hausecke betrachtet sah es aus, als wenn ursprünglich zwei völlig verschiedene Rottöne gewählt worden seien. Aber nix da… Jedenfalls sei er um Rat gebeten worden, erfuhr ich von Thomas Mayr, der, übrigens, den vor 55 Jahren gegründeten Malerbetrieb Zauke, seit bald 10 Jahren führt. Kurzum: Er habe empfohlen, vor einem neuen Anstrich mit einer Spezialfarbe ein Gewebe aufzuziehen, das mögliche weitere Risse vermeiden soll. Und, statt der bisherigen dunkleren Farbkombi Grau/Rot eine hellere in Weiß/Grau, damit sich die Fassade nicht so aufheizt. Interessant fand ich, dass Thomas Mayr seinem Kunden vorab verschiedene Weiß-Grau-Kombination zur Auswahl auf die Fassade gemalt hatte. Als praktische Entscheidungshilfe. Denn haben kann man von ihm jede erdenkliche Farbe… außer Schimmelgrün und Altersgrau, wie er augenzwinkernd betont.