21.47°C

Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Monday, 19. August 2019 · 15:53 Uhr
 
 
 

Im Einsatz für Kunst und Toleranz

Bruno Schachtner, Dachauer Typograph, Druckgrafiker, Objektkünstler und ehemaliger Stadtrat

Dem Dachauer Bruno Schachtner wurde kürzlich das Bundesverdienstkreuz verliehen. (Foto: Sessner Dachau)
 

Bruno Schachtner hat in seinem Leben schon viel erreicht. Als Entwicklungshelfer sowie als Kunst- und Kulturbotschafter in Südamerika, als treibende Kraft hinter der KVD-Druckwerkstatt, als Stadtrat seiner Heimatstadt Dachau, als Umweltschützer. Vor kurzem hat er das Bundesverdienstkreuz erhalten. Überreicht wurde ihm die Auszeichnung vom deutschen Botschafter in Paraguay, Dr. Claudio Fischbach. In dem Land hat Schachtner viel bewegt. Aber nicht nur da.

KURIER: Warum wollen Sie ungern auf dem Regiestuhl Platz nehmen?

Schachtner: Ich sehe mich nicht als Regisseur, der den Ton angibt, sondern viel mehr als Motivator, der die Menschen überzeugen und gewinnen möchte. Ich glaube, weil mir das bisher ganz gut gelungen ist, habe ich das Bundesverdienstkreuz erhalten.

KURIER: Was haben Sie gedacht, als Sie von der Auszeichnung erfahren haben?

Schachtner: Ich dachte zuerst, das sei ein Fake. Er als ich den Absender der Deutschen Botschaft in Parguay sah, war mir klar, dass es ernst gemeint war.

KURIER: Hat man Ihnen eine Begründung für die Auszeichnung genannt?

Schachtner: Nicht direkt. Der Botschafter würdigte die Verbindungen zwischen den Kulturen Paraguays und Deuschlands, die ich ermöglicht habe, die Ausstellungen und die Begegnungen zwischen Areguá und Dachau. Außerdem erwähnte er meinen Einsatz für Kunst und Brüderlichkeit, für Toleranz und gegenseitiges Verständnis und sagte dazu: »Eine Vernetzung sozialer Realitäten ist über die Jahre hinweg eine Konstante der kulturellen Arbeit von Bruno Schachtner, wovon wir auch in Areguá Beispiele finden. So konnte vor Jahren das Abkommen Freundschaftliche Verbindungen zwischen Dachau und Areguá gefeiert werden.«

KURIER: Wie war die Zeremonie?

Schachtner: Die Überreichung des Ordens war sehr anrührend. Es waren viele Freunde anwesend, aus den 1960ern bis heute. Überraschenderweise kam auch Peter Denk, der Bäckermeister und frühere Stadtratskollege. Der Besuch in Asunción war der Abschluss seiner zweijährigen Amerika-Reise.

KURIER: Wie kam es eigentlich zu dem intensiven Kontakt mit Paraguay?

Schachtner: Nach meiner Zeit als Entwicklungshelfer in Asunción zwischen 1965 und 1968 nahm der künstlerische und soziale Austausch erst ab 1988 mit der Ausstellung Zeitgenössische Druckgrafik aus Paraguay im Kunstbetrieb Dachau Fahrt auf. Meine Frau stammt aus einer deutschen Aussiedlerfamilie in Paraguay. Auf keinen Fall wollte ich die Kontakte und meine mühsam erworbenen Sparnisch-Kenntnisse verlieren, auch nicht die freundschaftlichen und familiären Beziehungen.

KURIER: Wer war an dem Austausch beteiligt?

Schachtner. Das war vor allem Heinz Eder, ein lieber Freund, aber auch noch viele Kolleginen und Kollegen aus der KVD und der Gruppe D, wie Monika Siebmanns, Klaus Herbrich, Günther Urban, Claudia Flach oder Anna-Maria Bogner. Über den Breich der Kunst hinaus gab es Veranstaltungen wie den 14-tägigen Besuch einer Jugend-Fussballmannschaft zum 100-jährigen des ASV Dachau, oder den sehr schönen Kontakt unter Stadt- und Landkreis-Schulen. Nicht zuletzt die Kolpinsgfamilie Dachau, vertreten durch Heide und Josef Schmid.

KURIER: Wissen Sie, von wem der Vorschlag für die Auszeichnung kam?

Schachtner: Vermutlich von Mitarbeitern der Botschaft, bestimmt auch von Gisela von Thümen, der ehemaligen Leiterin des Deutsch-Paraguayischen KulturInstituts, für das ich das Logo gestalten durfte.

KURIER: Wie hat die Zeit dort Ihren Blick auf Welt verändert?

Schachtner: Ich kann besser verstehen, was wirklich zählt im Leben. Wir sollten endlich sehen, dass wir nicht geschaffen wurden, um uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen oder unsere eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören.

KURIER: Hatte Paraguay auch einen Einfluss auf Sie als Kunstschaffender?

Schachtner: Meine künstlerische Arbeit hat ja erst dort begonnen. Ich habe zuerst nur Schweizer Typographie unterrichtet, alles andere hat sich daraus entwickelt und ist mit der Neugierde auf die Geschichte und die Kunst zu dem geworden, was es heute ist. Für mich waren die Aufenthalte in Paraguay und die Lehre in der Schweiz ein unglaublicher Gewinn...

KURIER: Welches soziale oder kulturelle Projekt ist Ihnen besonders ans Herz gewachsen?

Schachtner: Das aktuelle Solar-Projekt. Vielleicht, weil es so schwierig ist.

KURIER: Warum schwierig?

Schachtner: Alles begann, als ich gefragt wurde, ob ich in einem sozialen Brennpunkt von Areguá eine Kunstprojekt verwirklichen könne. Ich sagte zu, weil mich der Standort, der Bolzplatz in der Ortsmitte, irgendwie an meine Jugend in Etzenhausen erinnerte. Es gelang uns, die Kinder und Jugendlichen vor Ort an dem Projekt zu beteiligen, sie haben viele der Deko-Elemente mitgestaltet. Willi Kirchensteiner hat eine Solaranlage auf dem Dach installiert, so dass der Turm auch nachts beleuchtet ist. Erst beim Wasserturm am anderen Ende des Platzes ging uns das Geld aus. Der Turm und der Tank stehen, der Brunnen ist gebohrt, aber für den Betrieb der Wasserpumpe fehlen die finanziellen Mittel. Seit einem Jahr bewegt sich nichts. Wir bräuchten einen Betreiber vor Ort, der ab jetzt für das Projekt die Verantwortung übernimmt. Das ist so ein bischen das Dilemma, dass die Paraguayer das als Geschenk oder Entwicklungshilfe ansehen...

KURIER: Sie sind noch immer in der Druckwerkstatt aktiv. Welches Projekt steht da an?

Schachtner: Neuerdings haben wir dort jeden vierten Dienstag im Monat sogenannte Themenabende Kultur.

KURIER: Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Andreas Förster

Foto: Sessner Dachau