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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Monday, 15. October 2018 · 15:11 Uhr
 
 
 

Gedenken an Aloys Andritzki

Gottesdienst im Karmel im Dachau

Zum 75. Todestag von Aloys Andritzki von im Karmel Dachau ein Gedenk-Gottesdienst statt. (Foto: Pfarrer Delan)
 

Am Samstag, den 3. Februar wurde des 75. Todestages eines fast jugendlichen Opfers der Nazi-Diktatur gedacht: Aloys Andritzki, Kaplan an der Dresdner Hofkirche, Jugendseelsorger und Kolpingpräses der dortigen Kolpingsfamilie, war im Oktober 1941 nach Dachau ins Konzentrationslager eingeliefert worden.

Seine engagierte Jugendarbeit, er leitete auch die Knabenkantorei, war der Gestapo sofort ein Dorn im Auge. So konnte dieser vielfach begabte Priester nur knapp eineinhalb Jahre als Seelsorger wirken. Ab Januar 1941 im Dresdner Gefängnis festgehalten, so machte das Regime durch monatelange Internierung die Widerstandskämpfer unschädlich, wurde er noch auf den Stufen in die Freiheit sofort vor dem Tor des Dresdner Gefängnisses ohne jedes Urteil wieder verhaftet: »Schutzhaft« und Fahrt im Zug nach Dachau. Welch teuflisches Wort, welch mörderische Idee, die hinter diesem Vorgehen steckte.

Aus der Heimatstadt Radibor, einem kleinen Örtchen in der Nähe von Bautzen war ein großer Bus mit sorbischen Jugendlichen und ihren Betreuern in die Karmelkirche nach Dachau gekommen. Andritzki war Sorbe. Alle Sorben sind zweisprachig, sie pflegen Brauchtum und Religion mit Hingabe. In Bautzen, das schon vor dem Krieg zwei Gymnasien hatte, ging Andritzki auf das sorbische Gymnasium. Bilingual war dort schon vor fast 90 Jahren selbstverständlich. Dem 2011 von der katholischen Kirche seliggesprochenen Aloys Andritzki haben die Sorben immer Treue und Verehrung entgegengebracht. Andritzki war keine 29 Jahre alt, als er am 3. Februar 1943 ermordet wurde.

Dr. Joachim Reinelt, Alt-Bischof von Dresden, war eigens für diesen Gedenk-Gottesdienst gekommen. Seine Predigt war aufrüttelnd und voller Mitgefühl für all die zahllosen Menschen, die damals in den Lagern litten und zu Tode kamen.

Der Gedenk-Gottesdienst und das Kommen der Jugendlichen nach Dachau war ein leuchtendes Zeichen der Treue und Liebe der sorbischen Jugendlichen zu ihrem Seligen. Sie gestalteten den Gottesdienst mit, es erklangen mehrere der so melodischen sorbischen Lieder, zwei Kolpingbanner ehrten Andritzkis Einsatz für Kolping. Der Landrat des Landkreises Dachau Stefan Löwl, sein Stellvertreter Dr. Edgar Forster und der Pfarrer von St. Jakob, Dekan Wolfgang Borm und zahlreiche Mitglieder der Kolpingsfamilie Dachau sowie Gäste aus München und Umgebung hatten sich Zeit genommen, so dass die Karmelkirche bei diesem Gottesdienst zusammen mit den freundlichen Karmelitinnen sehr gut gefüllt war.