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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Monday, 18. March 2019 · 22:46 Uhr
 
 
 

Ein »Nein« für die ESV-Eishalle

Jugendrat ist für die ESV-Pläne/Stadtrat stimmt dagegen

Die Demonstranten hofften auf eine ganzjährig nutzbare Halle an der Wallbergstraße. (Foto: A. Förster)

Der Jugendrat Dachau hatte kurzfristig zu einer Demonstration für die Pläne des ESV zur Errichtung einer Eishalle an der Wallbergstraße aufgerufen. Einige Dutzend Jugendliche und Eltern, insbesondere Mitglieder des ESV Dachau Woodpeckers, waren dem Aufruf gefolgt und versammelten sich Mittwochnachmittag vor dem Rathaus. Sie hielten Schilder hoch und riefen »Der Wald muss bleiben!« oder »Ja zur Eishalle«. Die Teilnehmer hofften, dass in der anschließenden Stadtratssitzung die Anträge der SPD und der ÜB-Fraktion zur Umsetzung des ESV-Konzepts positiv beschieden würden. Überraschenderweise durften die Demonstranten sogar der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses beiwohnen. Zudem wurde dem Sprecher des Jugendrats, Berkay Kengeroglu, von Oberbürgermeister Florian Hartmann ein Sonderrederecht eingeräumt. Geholfen hat das alles nichts. Der Antrag, das Konzept für eine ganzjährig nutzbare Eishalle an der Wallbergstraße umzusetzen, fiel mit 10:5 Stimmen durch.

Zu Beginn der Sitzung teilte der OB mit, dass die ÜB-Fraktion ihren Antrag bereits wieder zurückgezogen hatte. In den nächsten zweieinhalb Stunden diskutierten die Stadträte somit nur über noch den SPD-Antrag. Mit klar verteilten Fronten: Die CSU argumentierte dagegen und favorisierte den ursprünglichen Standort einer mehr oder weniger »eingehausten« Bahn beim ASV Dachau, für die rund 2000 Quadratmeter Bannwald weichen müssten. Gertrud Schmidt-Podolsky bezeichnete den prinzipiell geschützten Bannwald als »die paar Stangerl«. Die SPD und das Bündnis für Dachau (BfD) waren klar für das ESV-Konzept einer ganzjährig auch für den Inklusionssport nutzbaren, komplett überdachten Halle und bekam Schützenhilfe von Seiten der Stadtverwaltung, die den Standort am ASV-Gelände aus »räumlicher Sicht«, so Bauamtsleiter Moritz Reinhold, nicht befürworten könne. Sprich: Selbst mit einem Parkhaus, das am anderen Ende der neuen Eislaufbahn liegen würde, hätte man beim ASV und seinem Bedarf an einer größeren Sporthalle und weiteren Sportstätten bekäme man wohl Probleme sowohl beim ruhenden als auch beim fließenden Verkehr.

Die Grünen-Fraktion hatte weiteren Klärungsbedarf in punkto Kostenvergleich der beiden Varianten beim ASV und an der Wallbergstraße und stimmte mit »nein«. Jürgen Seidl von der FDP argumentierte mit einer möglichen Verletzung von EU-Recht, wenn man den ESV Dachau mit Millionensummen beim Bau der Halle unterstützte. Das beträfe dann auch die beiden anderen Vereine ASV und TSV 1865, stellte der Oberbürgermeister klar, das müsse man in diesem Zusammenhang sowieso prüfen lassen. Freie-Wähler-Stadtrat Edgar Forster schloss sich den Bedenken der CSU, FDP, ÜB und Grünen an, verwehrte sich aber ganz klar gegen den Vorwurf seitens einiger ESV-Hallen-Befürworter, »gegen die Behinderten« zu sein.

Jugendrat-Sprecher Kengerogu appellierte vor der Abstimmung nochmal eindringlich an die Stadträte, die Interessen der Jugendlichen zu berücksichtigen. »Wir wollen nicht, dass 1.000 Bäume gefällt werden«, sagte er. Die Halle sei außerdem energieoptimiert geplant und könne das ganze Jahr über genutzt werden, davon acht Monate auch für das städtische Eislaufangebot, und die Lage am Schulzentrum Theodor-Heuss-Straße sei ideal.

Letzten Endes scheiterte der Antrag an der noch nicht abschließend geklärten Kostenfrage. Die Stadt muss in jedem Fall einen hohen Millionenbetrag zuschießen und die Betriebskosten übernehmen, das wären bei der ESV-Halle mindestens 300.000 Euro pro Jahr. Beim ESV wäre sie aber trotzdem nur Untermieter.

Die zweite Vorsitzende des ESV Dachau Woodpeckers, Annette Dobler, zeigte sich nach der Entscheidung sehr enttäuscht. Sie betonte, dass man in einer nur für fünf Monate nutzbaren Halle beim ASV nur ungenügende Trainingsbedingungen habe. »Wir müssen weiterhin für teures Geld Eiszeiten anmieten. Unsere Talente wandern trotzdem ab, und zwar dahin, wo sie bessere Trainingsbedingungen haben", bedauert sie. Der Stadtrat habe das durchdachte Gesamtkonzept nicht erkannt. Man wollte trotzdem weiter dafür kämpfen, so Dobler.