6.72°C

Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Friday, 20. April 2018 · 06:31 Uhr
 
 
 

Aus dem Amtsgericht

Beamte der Polizeiinspektion Dachau machen im Januar vergangenen Jahres einen spektakulären Fund. Als sie die Wohnung und den Keller eines 35-jährigen Mannes aus dem Landkreis durchsuchen, stellen sie eine Maschinenpistole des Typs Uzi, eine Pump-Gun, zwei Revolver, eine halb-automatische Kurzwaffe, Hunderte Patronen und eine Kiste mit Waffenersatzteilen sicher. Im Kühlschrank des Mannes stoßen sie auf 4,6 Gramm Marihuana und 0,8 Gramm Amphetamin, in seinem Auto auf ein verbotenes Faustmesser.

Mehr als ein Jahr später muss sich der 35-Jährige vor dem Schöffengericht in Dachau verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem den Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor, ein Verbrechen, auf das bis zu fünf Jahre Haft steht.

Der 35-Jährige, nach eigenen Angaben Wirtschaftsingenieur, trägt Anzug und Krawatte, drückt sich gewählt aus und hat ein freundliches Auftreten - er sieht nicht unbedingt aus wie einer, der mit Kriegswaffen hantiert. »Ich habe die Waffen nicht einmal benutzt«, sagt er dem Amtsgericht. Schließlich erzählt er, wie er das Waffenarsenal, verpackt in einer Kiste, im Jahr 2012 von einem engen Freund, der in Schwierigkeiten steckte, an sich genommen hat. »Ich war von den Umfängen selbst überrascht«, erinnert er sich. Der Freund sei vor einiger Zeit gestorben. Die Waffen aber blieben - und wurden für den 35-Jährigen immer mehr zur Last, wie er sagt.

Als Amtsrichter Neubeck ihn schließlich zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, atmet der Angeklagte tief durch. Er wirkt regelrecht erleichtert. Unmittelbar nach der Hausdurchsuchung hatte der Mann seine zehnjährige Mitgliedschaft im Schützenverein gekündigt und seinen Waffenschein sowie eine legal erworbene Pistole freiwillig zurück gegeben. »Drogen sind nichts für mich und mit Waffen bin ich auch fertig«, versichert er.