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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Friday, 20. July 2018 · 22:05 Uhr
 
 
 

»Man muss auf den Punkt physisch und psychisch fit sein«

Der neue Deutsche Meister im Bike Trial, Andreas Strasser aus Pellheim, im Regiestuhl-Interview

Deutscher Bike Trial Meister Andreas Strasser. (Foto: Sessner Dachau)
 

Deutscher Meister, endlich ein großer Titel. Und das, obwohl Andreas Strasser nach einem Gabelbruch an seinem Fahrrad nur hauchdünn überhaupt im Finale der besten vier Bike-Trial-Fahrer gelandet war. Umso schöner nun der Erfolg in der 26-Zoll-Klasse, auf den der 21-Jährige viele Jahre hingearbeitet hat. Seit Kindesbeinen sitzt er im (Fahrrad-)Sattel. Den hat er abgelegt, als er aufs Trial Bike umgestiegen ist. Dabei muss man mit einem Spezialrad sperrige Hindernisse überwinden und über schmale Balken balancieren. Wie er zu dem Sport kam, wozu der Deutsche-Meister-Titel (hoffentlich) gut ist und was er nun vorhat, das erzählt er im Regiestuhl-Interview.

KURIER: Wie bist Du zum Trial Bike gekommen?

Strasser: Mein Vater ist früher Motorrad-Trial gefahren. Ich wollte ihm nacheifern und bin schon als Kleinkind mit dem Bobby Car über die Treppenstufen gebrettert. Zum 9. Geburtstag habe ich mein erstes Trial-Rad bekommen, von da ab war das mein Lieblingssport. So ist es bis heute geblieben.

KURIER: Was macht so viel Spaß daran?

Strasser: Der Reiz liegt für mich in der Vielseitigkeit. Jedes Hindernis, Felsbrocken, Baumstämme oder Betonteile, ist anders, die Anläufe sind nie gleich. Es gibt zehn bis 15 Techniken, die man beherrschen muss. Der Sport verlangt eine Menge Koordinationsvermögen, im Wettkampf muss man auf den Punkt physisch und mental fit sein, um sein Potential abrufen zu können.

KURIER: Wie oft und wie lange trainierst Du?

Strasser: Ich versuche, sechsmal die Woche zu trainieren. Trial hat Priorität, aber auch Gewichtheben und Ausdauertraining sind wichtige Komponenten zum Ausgleich.

KURIER: Wo und mit wem trainierst Du?

Strasser: Trail trainiere ich zu 90 Prozent alleine. Früher im Garten meiner Eltern, mittlerweile habe ich in einen Übungsplatz in Gröbenried mit verschiedenen Hindernissen. Ab und zu bin ich am Wochenende mit anderen Bikern in München unterwegs, um die City-Spots zu fahren. Vor allem im Winter gehe ich zum KSC Attila nach Dachau. Dort bekomme ich von meinem erfahrenen Trainer Günther Ferg konkrete Trainingspläne.

KURIER: Du fährst doch für die Soli Dachau. Gibt es da kein Team?

Strasser: Bisher noch nicht. Bayernweit sind Raphael Zehentner aus Kiefersfelden und ich die einzigen Elitefahrer. Er ist bei der Deutschen Meisterschaft Dritter geworden. Im Raum München gibt es nur Hobbyfahrer und keinen Verein. In Baden-Württemberg ist ein bisschen mehr los. Bundesweit gibt es einen ABC-Nationalkader, der etwa 25 Fahrer über alle fünf Kategorien umfasst. Diese Fahrer dürfen international starten.

KURIER: Es fehlt also an Nachwuchsstrukturen?

Strasser: Genau. Ich hoffe aber, dass ich durch den Gewinn der Deutschen Meisterschaft zumindest bei uns ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf meinen Sport lenken kann. In der Mountainbike-Gruppe der Soli sind schon 50 Kinder, da waren auch schon welche in Gröbenried, um mir beim Training zuzuschauen. Ich hoffe, dass ich für den Raum München noch mehr bewegen kann. Dazu dienen auch meine Show-Auftritte.

KURIER: Wo kann man Dich und Deinen Sport als nächstes erleben?

Strasser: Ich fahre den ganzen Sommer über sowohl bei Wettkämpfen als auch bei Show-Veranstaltungen mit. Es gibt wieder vier große Weltcups in Österreich, Italien, Belgien und Berlin, im Juli die EM in der Schweiz und im Herbst die WM in China. Der nächste Show-Auftritt ist beim Munich Mash vom 22. bis 24. Juni in München. Im Juli bin ich am Tag der offenen Tür im Landratsamt Dachau und bei der Streetball Challenge der Mittelschule Karlsfeld zu sehen. Und im August wieder beim Bergkriterium in der Dachauer Altstadt.

KURIER: Wie fängt man am besten mit dem Biketrial an?

Strasser: Anfangs kann man viel mit dem Mountainbike und BMX Bike machen, vor allem Geschicklichkeit üben. Wenn man aufs Trialbike umsteigt, sollte man nicht gleich mit der höchsten Schwierigkeitsstufe anfangen und auch nicht gleich nur versuchen, möglichst viel auf dem Hinterrad zu fahren. Wichtig ist, sich langsam ans Fahren im Gelände zu gewöhnen.

KURIER: Wie sieht das Ganze dann im Wettkampf aus?

Strasser: Da gibt es verschiedene Sektionen, also Abschnitte, die man in zwei Minuten durchfahren muss. Dort sind Hindernisse ausgesteckt, die man ganz genau abfahren muss. Strafpunkte gibt es bei Zeitüberschreitung oder wenn man den Fuß runternimmt oder gar ganz absteigen muss. Und stürzen sollte man besser auch nicht.

KURIER: Was machst Du außerhalb deines Sports?

Strasser: Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker begonnen, die werde ich im Juli aller Voraussicht nach erfolgreich abschließen. Nach der Schule wollte ich erstmal was Praktisches machen und Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Ich wollte auch nicht alles gleich auf die Profikarte setzen. Jetzt werde ich wahrscheinlich studieren und parallel meine sportliche Karriere vorantreiben.

KURIER: Was sind deine nächsten Ziele?

Strasser: Das Finale im Worldcup zu erreichen und mich langfristig unter den Top 10 der Weltrangliste zu etablieren.

KURIER: Gibt es Vorbilder? Wer oder was inspiriert Dich?

Strasser: Im Sport sind es Perfektionisten wie der Rallyefahrer Walter Röhrl oder der Skirennfahrer Hermann Maier. Ihnen gingen es nicht nur ums Gewinnen, sondern um die perfekte Performance. Das Beste aus sich herausholen und sich dabei immer weiterzuentwickeln, das spornt mich an.

KURIER: Was machst du, um im Wettkampf mental auf den Punkt fit zu sein?

Strasser: Man darf nicht in Selbstzweifel verfallen. Im Wettkampf muss man den Kopf ausschalten können und bewusst im Hier und Jetzt sein. Das habe ich auch erst nach und nach lernen müssen. Was mir dabei hilft, sind Konzentrationsübungen, zum Beispiel auf der Slackline oder beim Jonglieren. Um Runterzukommen ist Meditation ganz hilfreich. Ein guter Kumpel unterstützt mich dabei. Er ist sozusagen mein Mental-Coach.

KURIER: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

Interview: Andreas Förster

Foto: Sessner Dachau