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Sunday, 22. April 2018 · 10:28 Uhr
 
 
 

»Ich bin Zauberer der Gedanken, kein Hellseher«

Mentalist Christoph Kuch verzaubert Dachau am 14. Januar mit seinem Programm »Ich weiß«

Mentalmagier Christoph Kuch verzaubert am Sonntag, den 14. Januar sein Publikum im Ludwig-Thoma-Haus. (Foto: Sessner Dachau)
 

Manche halten Christoph Kuch für nichts weniger als einen Hellseher. Er selbst bezeichnet sich als Mentalmagier. Das ist die Zauberkunst, die über Psychologie und Suggestion praktisch Denken und Handeln der Menschen vorhersagt. Der gebürtige Nürnberger verblüfft sein Publikum also, in dem er dessen Gedanken »liest«. Er kann einen Kartenspielverlauf vorhersagen, geheime PIN-Nummern oder Würfelaugen "hellsehen". Nur die Lottozahlen nicht, sonst hätte er längst ausgesorgt. »Ich bin Zauberkünstler, kein Hellseher«, stellt der 42-Jährige im Interview mit dem KURIER klar. Mit seinem Programm »Ich weiß« hat er die Welt bereist und viele Preise gewonnen. Am 14. Januar um 19 Uhr gastiert er damit im Ludwig-Thoma-Haus in Dachau. Dem KURIER stand er vorab Rede und Antwort.

KURIER: Wann und wie haben Sie mit dem Zaubern angefangen?

Kuch: Los ging es bei mir ganz klassisch mit dem Zauberkasten, den ich von meiner Lieblingstante zum neunten Geburtstag geschenkt bekommen habe. In den darauf folgenden Wochen wurde meine Familie samt Dackel mit meinen neu erworbenen Künsten beglückt… erst viel später durfte ich David Copperfield zum ersten Mal live erleben. Auch wenn er die Zauberkunst nicht neu erfunden hat, so hat er sie doch in unsere moderne Welt gebracht. Als ich David zum ersten Mal Fliegen sah war das für mich die Initialzündung, auch wenn dass, was ich heute mache, eine völlig andere Form der Zauberkunst ist. Mit 16 lernte ich meinen Zaubermeister kennen, der mich unter seine Fittiche nahm und Zugang zur einschlägigen Literatur verschaffte.

KURIER: Wann und wo war Ihr »erstes Mal« vor Publikum?

Kuch: Ich glaube, da muss ich 15 oder 16 gewesen sein und das war eine Familienfeier. Die Aufregung war grenzenlos und die »gespielte« Begeisterung der Zuschauer schmeichelhaft.

KURIER: Können Sie inzwischen von ihrer Kunst leben?

Kuch: Ja, meine Auftritte führen mich durch das gesamte Bundesgebiet, Europa, Asien, Australien und die USA. Es ist schön, mit seiner Leidenschaft den Lebensunterhalt zu verdienen.

KURIER: Haben Sie schon mal etwas weggezaubert und es dann nicht mehr wiedergefunden? Oder anders gefragt: Mal eine größere, ungewollte Panne erlebt?

Kuch: Gerade in der Mentalmagie, weiß man nie genau, was während der Show passieren wird und wie die Menschen, die mitmachen, reagieren. Somit ist jede Show anders. Da passieren schon mal Fehler. Eine lustige Anekdote hierzu: Ich holte einmal eine Zuschauerin auf die Bühne und sah Ihren runden Bauch, worauf ich fragte, ob sie schwanger sei. Als sie bejahte legte ich mit einem Lächeln eine Hand vor den Bauch und sagte, dass es ein Junge sei…50 Prozent Trefferchance - es hatte funktioniert. Später im Programm holte ich wieder eine Dame hervor, sah sie und meinte »Oh, hier ist noch jemand schwanger.« Die Antwort war jedoch peinlicherweise »nein«.

KURIER: Hat schon mal jemand bewusst versucht, Sie auflaufen zu lassen?

Kuch: Natürlich versucht man schon von Anfang an Menschen aus dem Publikum auszuwählen, die offen, unverkrampft wirken und viel Lachen. Mentalmagie ist keine visuelle Form der Zauberkunst, es hoppeln keine Hasen auf der Bühne oder es schweben auch keine Jungfrauen. Daher ist man auf die Reaktion des Zuschauers auf der Bühne angewiesen. Zeigt dieser eine gute verblüffte Reaktion, dann überträgt sich dies auf den Rest des Publikums. Frauen sind grundsätzlich offener für Gedankenlesen und Magie, weswegen ich hauptsächlich mit Frauen auf der Bühne arbeite. Bei Männern ist da häufig so eine leichte Konkurrenz zu spüren, wie »dem zeig ich es jetzt«. Was aber nicht bedeutet, dass ich nicht genau aus diesem Grunde auch Männer einbeziehe.

KURIER: Sie bezeichnen sich als Mentalist. Was genau versteht man darunter?

Kuch: Nun, ein Mentalist ist ein Zauberer der Gedanken. Meine Experimente drehen sich um psychologische Phänomene, veranschaulicht durch Zauberei. Während Sie beim klassischen Zauberer immer wissen, dass alles Tricks sind, so fragt man sich beim Mentalmagier, wo verläuft die Grenze zwischen Psychologie und Zauberei. Meine oberste Priorität ist die Unterhaltung. Die Leute sollen nicht nur verblüfft werden, sondern auch Lachen und einen tollen Abend bei mir verbringen.

KURIER: Wie lange brauchen Sie für einen neuen Trick, bis er perfekt sitzt?

Kuch: An dem Experiment, mit dem ich die Weltmeisterschaft 2013 gewonnen habe, habe ich zehn Jahre lang gearbeitet. Es hat sich über die Jahre verfeinert und verwendet eine speziell entwickelte Technik. Ich habe ein kleines Kreativteam, Zauberer, Schauspieler, Regisseure, die meine Nummern mitgestalten. Manchmal hat man eine tolle Vortragsidee und sucht dafür das passende Experiment, manchmal sieht man etwas Magisches und denkt sich, dass man daraus eine schöne Nummer machen könnte.

KURIER: Gibt es auch in der Zauberei Trends oder einen Zeitgeist? Also Tricks, die in oder out sind?

Kuch: Momentan ist die digitale Magie mit iPad oder iPhone sehr aktuell. Jedoch glaube ich, dass die Zauberei weitgehend zeitlos ist. In unserer Welt, in der ich jede beliebige Information in Sekunden erhalten kann, ist es doch umso schöner, wenn man wieder einmal Staunen kann wie ein Kind, ohne zu wissen, wie das gerade funktioniert. Wenn ich es schaffe, dieses Gefühl bei meinen Zuschauern hervorzurufen, dann habe ich mein Soll erfüllt.

KURIER: Gibt es aktuelle oder frühere Vorbilder?

Kuch: Was die Kreativität angeht, so sind Penn & Teller aus den USA tolle Vorbilder. Bezogen auf die Präsentation meiner Zaubersparte ist Derren Brown, der in England ein echter Star ist, ein Idol. Was die Beobachtungsgabe betrifft, so ist und bleibt Loriot für mich unübertroffen. Jedoch ist es auch hier wichtig, sich zwar beeinflussen zu lassen, jedoch trotzdem seinen eigenen Stil zu finden. Nur durch Individualität entsteht etwas Eigenes, dass als solches auch faszinierend und authentisch auf das Publikum wirken kann.

KUIER: Was braucht es, um sein Gegenüber gut lesen zu können?

Kuch: Im Gegensatz zu vielen Kollegen bin ich recht offen in meinen Aussagen. Ich bin Zauberer, ich kann nicht wirklich Gedanken lesen. Nur eben auf der Bühne versuche ich, genau diesen Anschein zu vermitteln. Was die Zuschauer dann glauben oder nicht, das überlasse ich aber jedem selbst.

KURIER: Gibt es einen Grund, warum mehr Männer mit Zauberkunst oder Mentalmagie auf der Bühne stehen?

Kuch: Das ist tatsächlich eine gute Frage, warum die Magie so eine Männerdomäne ist. Wir versuchen auf der Bühne Emotionen zu kreieren. Hier sind Frauen sogar wahrscheinlich sensibler. Andererseits bedarf es einiger ingenieur-ähnlichen Denkmuster, um Zaubereffekte zu schaffen. Da mögen die Männer wieder einen leichten Vorteil haben. Wahrscheinlich gibt es aber einfach mehr männliche Nerds, die in jugendlichem Alter mit der Zauberei beginnen, um Mädels zu beeindrucken, als anders herum…

KURIER: Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrem Auftritt in Dachau.

Interview: Andreas Förster

Foto: Sessner Dachau