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Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Monday, 27. May 2019 · 15:36 Uhr
 
 
 

»Die Volksmusik gehört zu unserer bairischen Identität«

Interview auf dem »dachauer regiestuhl« mit dem Volksmusikanten Heinz Neumaier

Heinz Neumaier mit dem »dachauer regiestuhl« vor dem Dachauer Schloss. (Foto: Sessner Dachau)
 

Heinz Neumaier ist eine Volksmusik-Institution nicht nur in Dachau, sondern weit darüber hinaus. Er arbeitete schon mit vielen berühmten Musikanten zusammen, ist bekannt durch Funk und Fernsehen. Am nächsten Sonntag, den 24. März ist er im Dachauer Schloss zu sehen und zu hören bei der »Altbairischen Serenade zum Frühjahr – Lieder und Volksmusik, Gedanken und G’schichten zum beginnenden Lenz«. Durch das Konzert mit vielen bekannten Künstlern führt der beliebte BR-Moderator Stefan Semoff.

Auf dem »dachauer regiestuhl« hat Heinz Neumaier für unser Interview vor dem Dachauer Schloss Platz genommen.

KURIER: Am 24. März treten Sie mit den Riederinger Musikanten, den Geschwistern Schabmair, dem Höss-Dreigesang und Moderator Stefan Semoff hier im Dachauer Schloss auf. Worauf darf sich Ihr Publikum freuen?

Neumaier: Auf einen beschwingten musikalischen Frühlingsanfang, der ganz altbairisch daherkommt.

KURIER: Der Renaissance-Saal ist für eine Volksmusikveranstaltung schon ein besonderer Rahmen oder?

Neumaier: Natürlich, aber es finden hier ja alle möglichen musikalischen Veranstaltungen wie Orchester- und Percussion-Konzerte aber eben auch solche mit traditioneller Volksmusik statt und das schon seit mindestens 50 Jahren.

KURIER: Gefällt Ihnen das oder ist Ihnen die Atmosphäre in einem Wirtshaus lieber?

Neumaier: Es ist beides schön. Ein zünftiger Hoagartn im Wirtshaus ist natürlich ganz was anderes, es ist direkter und man ist näher beieinander. Hier im Schloss ist es sehr festlich. Aber es ist doch wunderbar in einem Raum zu spielen, wo schon Orlando di Lasso, einer der bedeutendsten Komponisten und Kapellmeister der Renaissance im 16. Jahrhundert musiziert hatte. Damals sind die Mitglieder des herzoglichen Hofes von ihrer Residenz in München ins Jagdschloss nach Dachau gekommen, die mitgereisten Musiker der Münchner Hofkapelle traten natürlich auch im Renaissance-Saal auf.

KURIER: Bei der Bairer Saitenmusi spielen Sie Gitarre, ist die andere Leidenschaft die Zither?

Neumaier: Ich beherrsche dieses Instrument nicht, obwohl ich als Dirigent beim Zitherklub Dachau tätig bin. Von den 25 Aktiven spielen mehr als die Hälfte auf der Zither, dazu kommen noch Instrumente wie Harfe, Hackbrett, Gitarre und Streichbass.

KURIER: Sie sind ein geborenes Münchner Kindl, aber in Dachau in einer volksmusikbegeisterten Familie aufgewachsen. In welchem Alter haben Sie mit dem Musizieren begonnen?

Neumaier: Mit dem Klavierspielen habe ich mit sechs Jahren angefangen, mit etwa zwölf Jahren bin ich zur Gitarre gekommen und hab mir das Spielen autodidaktisch beigebracht. Mein Vorbild in der Volksmusik war Tobi Reiser aus Salzburg, der damals schon wunderbare Gitarrenmusik machte.

KURIER: Hat es Sie eigentlich nur zur Volksmusik hingezogen, oder waren Sie in jungen Jahren auch Beatles, Stones oder Deep Purple Fan?

Neumaier: Natürlich hab ich das auch gemocht, aber ich wollte es nicht selber machen, hatte nie eine eigene Rockband, davon hat es schon genug gegeben. Mit der Volksmusik hatte ich ein Alleinstellungsmerkmal und war recht zufrieden damit.

KURIER: Mit Ihrer Familie haben sie berühmte Volksmusikanten kennengelernt wie zum Beispiel den Kiem Pauli, Wastl Fanderl oder Tobi Reiser und teilweise auch mit ihnen musiziert. Vor allem aber mit ihrer Schwester Hedi Heres, Moderatorin beim BR. Gibt es darüber hinaus jemand, mit dem Sie gerne mal was machen würden?

Neumaier: Ja gibt es schon - ich denke da an ein paar im Salzburger oder Mühlviertler Raum beheimatete Musikanten und Gruppen wie zum Beispiel den Gitarristen Klaus Karl oder die Kiesenhofer Geigenmusi.

KURIER: Seit 2009 haben Sie, wie schon ihr Vater davor, die musikalische Leitung des über 125 Jahre alten Zitherklubs Dachau übernommen. Haben Sie Nachwuchsprobleme oder gibt es junge Leute, die dieses schwierige Instrument spielen wollen.

Neumaier: Es lässt sich in relativ kurzer Zeit ein Stückl auf einer Blockflöte, einem Hackbrett oder einer Diatonischen Ziach erlernen, bei der Zither dauert es meist drei oder vier Jahre, bis man das Instrument einigermaßen beherrscht. Aber wir haben im Zitherklub eine 15-jährige Gitarristin, die sich zu einer hervorragenden Begleiterin entwickelt. Unser jüngster Mitspieler ist ein Jahr jünger und spielt schon ein paar leichtere Stücke neben seiner Mama. Die ältesten sind über achtzig. Wo gibt’s das schon, ein Ensemble, das sowohl die alten als auch die ganz jungen Spieler zusammenbringt. Die Älteren kümmern sich um die Jüngeren und umgekehrt und das ist das Besondere am Zitherklub.

KURIER: Gibt es ein Projekt, einen Traum den Sie sich erfüllen möchten?

Neumaier: Ich hab musikalisch gesehen fast alles machen dürfen, was möglich war bis zu Rundfunk- oder CD-Aufnahmen und Fernsehauftritten. Außerdem bin ich jetzt über 70 Jahre, da werden die Träume bescheidener.

KURIER: Welche Frage würden Sie gerne noch beantworten?

Neumaier: Warum ist die Bayrische Volksmusik für uns so wichtig?

KURIER: Ja, warum?

Neumaier: Weil heutzutage durch die moderne Art Volksmusik zu machen so viel am charakteristischen Klang verändert wird. Manche behaupten zwar, sie machen eine neue Volksmusik im neuen Gewand und der Erfolg beim Publikum scheint ihnen Recht zu geben. Aber in vielen Fällen ist das Gewand so wahnsinnig anders, dass man gar nicht mehr weiß, ist die Musik aus Bayern oder kommt sie aus Nordrhein-Westfalen. Das finde ich schade, weil die Volksmusik gehört zu unserer bairischen Identität. Manchmal bin ich auch mit der Programmauswahl im Bayerischen Rundfunk nicht so ganz zufrieden, die Schwerpunkte sollten bei der typischen »tänzerischen Klangfarbe« liegen.

KURIER: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei der Serenade zum Frühling im Dachauer Schloss.

Interview: Christl Horner-Kreisl

Foto: Sessner Dachau