14.35°C

Kurier Dachau - Das Wochenblatt für Dachau
 
Saturday, 24. August 2019 · 06:35 Uhr
 
 
 

Über Generationen hinweg zusammenhalten

CSU-Podiumsdiskussion mit rund 120 Gästen - ältere, aber auch junge

Gerda Hasselfeldt, CSU-Bundestagsabgeordnete, bei der Podiumsdiskussion in Bergkirchen. (Foto: chk)
 

Das Podium war prominent besetzt bei der CSU-Veranstaltung zum Thema  »Wie gehen wir um mit Altersarmut und Altersdiskriminierung?«, zu der die SEN-Kreisvorsitzenden Karl-Heinz Haritz (Dachau), Horst Jirgl (Fürstenfeldbruck) und Hans-Joachim Lojewski (Pfaffenhofen/Ilm) nach Bergkirchen geladen hatten: Gerda Hasselfeldt MdB, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Dr. Thomas Goppel MdL, Landesvorsitzender der Senioren Union, Joachim Unterländer MdL, Landesvorsitzender der CSA und Vorsitzender des Landtagsausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration und CSU-Bezirksrätin Gabi Off-Nesselhauf. Die Moderation übernahm der Dachauer Landtagsabgeordnete und CSU-Vorsitzende Bernhard Seidenath im mit rund 120 Gästen gefüllten Saal im Gasthaus Groß.

Joachim Unterländer hielt ein flammendes Plädoyer für die gesetzliche Rente, dieses System müsse man ergänzen, weiterentwickeln und Vertrauen dafür schaffen: »Wir brauchen ein Bekenntnis zur gesetzlichen Altersvorsorge«.

Gerda Hasselfeldt gab zu bedenken, dass Altersarmut regional unterschiedlich groß ist, weil sich auch Lebenshaltungs- und Wohnungskosten drastisch unterscheiden. Sie setzt auf drei Säulen: gesetzliche Rente – private Vorsorge – Betriebsrente.

Beim Thema Riester-Rente war man sich einig, dass großer Verbesserungs- und Nachbesserungsbedarf besteht, um diese Art der privaten Altersvorsorge für die Bürger attraktiv zu machen. Allein die Diskrepanz bei den Verwaltungskosten, die bei der gesetzlichen Rente 1,5 Prozent betragen, bei Riester/privaten Rentenmodellen bis zu 25 Prozent, ist untragbar.

Joachim Lojewski gab zu bedenken, dass eine Riester-Rente nur bei gesicherten Arbeitsverhältnissen funktioniert. Was tun die ganzen 1-Euro-Jobber, Leiharbeiter, Zeitarbeiter und Selbstständigen? Wer Kinder oder Pflegebedürftige zu versorgen hat, der kommt kaum über die Runden und kann sich keine private Vorsorge leisten. In kleinen und mittleren Betriebe gibt es kaum Betriebsrenten, auch hier wurde Hilfe vom Staat, vielleicht bei der Besteuerung, gefordert.

Bezirksrätin Gabi Off-Nesselhauf erinnerte an die »andere Seite«, die man im Auge behalten muss: nicht nur die Senioren, sondern auch die Jungen, die Angst haben, nicht mehr zum Zug zu kommen.

Hans Lampl vom Seniorenbeirat Fürstenfeldbruck forderte die CSU-Politiker zu einem Blick auf die europäischen Nachbarn auf. In Österreich zum Beispiel, da muss jeder in die Rentenkasse einzahlen, egal ob Beamter oder Politiker, Arzt oder Architekt, Künstler oder Selbstständiger. Hasselfeldt wünscht sich zwar eine modifizierte Versicherungspflicht für Selbstständige, möchte aber das bestehende Rentensystem nicht vollständig umkrempeln.

Mitarbeiterinnen aus Landratsamt und Caritas waren sich einig, dass viele Rentner schlecht informiert sind, aus Unwissenheit oder auch Scham, Geld und Leistungen verschenken, die ihnen zustehen. »Erkundigen Sie sich, lassen Sie sich beraten in den Gemeinden, Landratsämtern, beim Bezirk, bei der Caritas, Diakonie und anderen Stellen«, so der dringende Appell.

»Die beste Altersvorsorge ist eine nicht zu bezahlende Miete«, davon war nicht nur Hans Lampl überzeugt. Eigenen Wohnraum zu schaffen, dies sollte wieder mehr gefördert werden, zumindest für Familien mit Kindern. Hermann Dörfel aus Emmering, seit 50 Jahren CSU-Mitglied, erzählte in bewegenden Worten, wie wichtig ihm Eigentum für seine Familie ist. Als Flüchtling ist er nach Bayern gekommen, hat Maurer gelernt und später ein kleines Haus gekauft, mit vier Kindern wurde immer wieder um- und angebaut. »Ich geb‘ euch den guten Rat, lasst eure Kinder solange daheim wohnen, bis sie sich einen Bauplatz kaufen und selber etwas schaffen können. Das ist die beste Vorsorge für das Alter«.

Während sich Dr. Thomas Goppel auf Stammtischniveau durch den Abend polterte, weil »wir Bayern« angeblich immer draufzahlen, die »faulen Säcke in Norddeutschland profitieren«, die Sozis sowieso an allem schuld sind und die Grünen »Deutschland abschaffen wollen«, brachte es Gerda Hasselfeldt auf den Punkt: »Zum Schluss muss man zusammenkommen und zusammenhalten, über alle Generationen hinweg, zwischen Nord und Süd, West und Ost«.

Landrat Stefan Löwl verwies noch auf den Armutsbericht, der momentan von der Caritas erstellt und in rund drei Wochen vorgestellt wird. Zur Wohnungssituation informierte er, dass im Landkreis 43 Prozent in Mietwohnungen und 57 Prozent im Eigenheim leben. Auf der anderen Seite stehen 1.800 Wohnungen leer, die die Eigentümer nicht (mehr) vermieten oder bewohnen, weil sie es nicht brauchen. Und für den dringend notwendigen Bau von Sozialwohnungen mangelt es nicht an Geld, sondern an Grundstücken.

Das zweite Thema des Abends, die »Altersdiskriminierung« wird nicht verloren gehen, dafür wird zu einer eigenen Runde eingeladen werden. Zum Thema »Wohnungsbau im Landkreis« trifft man sich am 23. Oktober bei der CSU Schwabhausen.